Börsen feiern Einigung im US-Haushaltsstreit mit Kursfeuerwerk

Washington (dapd). Zur Feier des Haushaltskompromisses in den USA haben Börsenhändler in aller Welt ein wahres Kursfeuerwerk abgebrannt. Zwar umschifften die Abgeordneten in Washington die Fiskalklippe in letzter Minute, eine dauerhafte Lösung der massiven Finanzprobleme steht aber weiterhin aus.

Trotzdem griffen die Anleger am Mittwoch zu und verhalfen den Aktienmärkten nach der monatelangen Hängepartie zu deutlichen Gewinnen.

Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte legte im Mittagshandel 227 Punkte oder 1,7 Prozent auf 13.331 Zähler zu. Der DAX schloss 2,2 Prozent im Plus bei 7.779 Punkten und erreichte damit den höchsten Stand seit fast fünf Jahren. Zuvor hatten bereits die asiatischen Märkte die Einigung im US-Kongress mit Gewinnen quittiert: Der Hang-Seng-Index in Hongkong legte 586 Punkte oder 2,6 Prozent zu und schloss bei 23.243 Zählern. In Australien stieg der Leitindex S&P/ASX um 1,2 Prozent auf 4.706 Punkte.

Nach dem mehrheitlich von Demokraten besetzen US-Senat billigte in der Nacht auf Mittwoch auch das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus den Kompromissentwurf, der 98 Prozent aller Haushalte vor Steuererhöhungen bewahrt und pauschale Ausgabenkürzungen quer durch alle Ressorts um zwei Monate hinauszögert. Ökonomen hatten vor einer neuen Rezession in den USA und negativen Folgen für die globale Konjunktur gewarnt, sollte eine Einigung ausbleiben.

Der nach zähen Verhandlungen erzielte Durchbruch zwischen den Jahren kam gerade noch pünktlich zur Öffnung der Börsen in Fernost. Auch in Südkorea, Singapur, Taiwan, Indien, Thailand, Indonesien und auf den Philippinen legten die Kurse zu, während Japans und Chinas Finanzplätze erst am Freitag öffnen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg am Mittag um 67 Punkte oder 2,2 Prozent auf 3.086 Zähler. Auch die Leitindizes in Großbritannien und Frankreich legten kräftig zu. An der New Yorker Rohstoffbörse legte der Ölpreis im Morgenhandel um 1,14 Dollar auf 92,96 Dollar pro Barrel zu, der Goldpreis stieg um 0,9 Prozent.

Erwartungen an Kompromiss waren gering

Finanzexperten begründeten die Kurssprünge vor allem damit, dass die Erwartungen an einen Kompromiss zur Umschiffung der sogenannten Fiskalklippe so gering waren, dass jede Einigung positiv aufgenommen wurde. Dabei lässt eine echte Haushaltsreform weiter auf sich warten. "Nichts ist wirklich gelöst worden", warnte Deutsche-Bank-Volkswirt Joseph LaVorgna. "Es gibt viel wichtigere (...) Probleme, um die sich noch niemand gekümmert hat."

Da die Rechentricks des Finanzministeriums nicht ewig vorhalten und die Schuldenobergrenze im Februar geknackt werden dürfte, zeichnet sich schon der nächste Streit ab: Für die Republikaner sind jegliche Steuererhöhungen ein Tabu, die Demokraten lehnen unterdessen Kürzungen bei staatlichen Konjunkturhilfen und Sozialprogrammen ab. Auf neuerliche Verhandlungen mit dem Kongress über eine Anhebung der Schuldenobergrenze werde er sich nicht einlassen, kündigte US-Präsident Barack Obama bereits an. Eine Annäherung der ideologisch verfestigten Fronten ist bislang nicht erkennbar.

Dass das Repräsentantenhaus Obama mit einer Mehrheit von 257 zu 167 Stimmen immerhin schon mal einen Zwischenerfolg bescherte, quittierte der Präsident mit Lob: "Dank der Stimmen der Republikaner und Demokraten im Kongress werde ich ein Gesetz unterschreiben, das die Abgaben für die reichsten zwei Prozent der Amerikaner erhöht und zugleich Steuererhöhungen vermeidet, die unsere Wirtschaft wieder in eine Rezession hätten treiben können." Die formal am Neujahrstag in Kraft getretenen Änderungen würden damit rückwirkend wieder aufgehoben.

Mittelschicht bleiben Steuererhöhungen erspart

Die amerikanische Mittelschicht kann aufatmen, weil nur noch Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 450.000 Dollar (400.000 Dollar für Singles) höhere Abgaben zahlen. Außerdem sollen die Zuschüsse für zwei Millionen Langzeitarbeitslose ein Jahr weiterlaufen und die Kürzungen im Bundeshaushalt nach dem Rasenmäher-Prinzip um zwei Monate verschoben werden. Der Kompromiss sieht auch vor, Dividenden und Kapitalerträge von Spitzenverdienern mit 20 statt 15 Prozent zu besteuern und die Erbschaftssteuer auf Beträge über fünf Millionen Dollar von 35 auf 40 Prozent zu erhöhen.

Einige republikanische Hardliner wie der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, lehnten den Entwurf denn auch ab. "Ich persönlich hasse ihn", schimpfte der kalifornische Abgeordnete John Campbell über den Kompromiss. "Ich schäme mich für meine Generation. Zukünftige Generationen haben etwas Besseres verdient", sagte der Abgeordnete Louie Gohmert aus Texas.

Mancher brachte sich sogleich für die nächste Runde im Haushaltsstreit in Stellung. "Jetzt geht es um die Ausgaben", gab der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, die Richtung vor. "Wir werden unsere Mehrheit dazu nutzen, den Präsidenten an sein Versprechen eines ausgeglichenen Etats zu erinnern und ihn dafür zur Verantwortung zu ziehen."

dapd

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