Börsennotierte Unternehmen korrigieren ihre eigenen Prognosen immer öfter

Die deutschen börsennotierten Unternehmen haben ihre Gewinn- und Umsatzprognosen im vergangenen Jahr so häufig korrigiert wie noch nie. Die Tendenz zeigte dabei überwiegend nach oben, wie die Unternehmensberatung EY in einer Analyse schreibt

Die deutschen börsennotierten Unternehmen haben ihre Gewinn- und Umsatzprognosen im vergangenen Jahr so häufig korrigiert wie noch nie. Die Tendenz zeigte dabei überwiegend nach oben, wie die Unternehmensberatung EY in einer Analyse schreibt, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorab vorlag. Die Berater sehen aber Zeichen für eine zunehmende Unsicherheit in der Wirtschaft.

Der Analyse zufolge stieg die Zahl der positiven Korrekturen von 89 im Jahr 2016 auf 199 im Jahr 2017. Die Zahl der Gewinn- oder Umsatzwarnungen stieg von 66 auf 95. 59 Prozent der mehr als 300 an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen mussten demnach mindestens einmal eine Prognose korrigieren. Das ist der höchste Stand, seitdem EY im Jahr 2011 mit der Auswertung von Mitteilungen und Berichten der Unternehmen begonnen hatte.

"Die Unternehmen segeln in stürmischen Gewässern", erklärte der Berater Marc Förstemann dazu. Auf der einen Seite habe sich die Wirtschaft besser entwickelt als erwartet - auf der anderen Seite sorgten etwa politische Unwägbarkeiten für unvorhergesehene Belastungen. Die Unternehmen müssten gleichzeitig das beste aus dem aktuellen Höhenflug mitnehmen, sich aber auch für deutliche Nachfrageeinbrüche wappnen.

Bei den 30 Dax-Konzernen für sich genommen zeigten die Korrekturen fast nur in eine Richtung: auf 21 Korrekturen nach oben kamen nur drei Warnungen. Die Auswirkungen solcher Warnungen sind groß: Im Schnitt sank der Aktienkurs eines betroffenen Unternehmens um acht Prozent binnen einer Woche. Bei positiven Meldungen legten die Aktien im Schnitt nur drei Prozent binnen sieben Tagen zu.

"An der Börse wird Zukunft gekauft", erklärte EY-Börsenexperte Martin Steinbach. Deshalb komme es derzeit besonders auf die Finanzkommunikation an, die Analysten und Investoren die richtigen Erwartungen vermitteln müssten. "Nur so kann im Kapitalmarkt bei gestiegenen Unsicherheiten transparent mit Ergebnisprognosen umgegangen werden, um Überraschungen und starke Kurseffekte zu vermeiden."

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