Bürgerkrieg und Klimakapriolen: Afrika vor einer neuen Hungerkatastrophe

Vertrocknetes Land, totes Vieh, verhungernde Menschen: die Bilder der Dürre in Ostafrika vor sechs Jahren schockierten die Welt. Jetzt warnen die Vereinten Nationen davor, dass sich die Katastrophe bald wiederholen könnte.

Wieder gehen Bilder von vertrockneten Tierkadavern, von staubigen Wüstengegenden und verzweifelten Menschen um die Welt. Sie stammen aus Somalia, aus dem Jahr 2017, und sie stehen stellvertretend für das, was sich nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR auch in Nigeria, dem Südsudan und dem Jemen abspielt.

Die Krise von 2011 habe 260.000 Leben gefordert, mehr als die Hälfte davon Kinder unter fünf Jahren, so Adrian Edwards vom UNHCR in Genf. “Wir müssen um jeden Preis verhindern, dass sich das wiederholt.”

Nicht allein das Klima ist schuld

Die Dürre von 2011 wird unter anderem als Folge des Klimaphänomens La Niña gesehen, das zusätzlich noch durch den Klimawandel beeinflusst wurde. Trockenheit durch Kapriolen des Klimas sind aber nur ein Teil des Problems. Hilfsorganisationen beklagen schlechte Regierungsführung in den Ländern, in denen oftmals Korruption und instabile politische Verhältnisse herrschen. Die eigentlich selbstverständliche Versorgung der Menschen in Notlagen durch den Staat funktioniert oft nicht. Hilfsorganisationen sind in diesen Ländern häufig machtlos. Im Norden Nigerias beklagten Nothelfer beispielsweise, dass ihr Personal wegen der radikalislamischen Boko-Haram-Milizen zeitweise keinen Zugang zur Bevölkerung hatte.

Die Flüchtlingskrise im Jemen und im Südsudan bringt die Menschen dazu, ihr Land zu verlassen und ihr Hab und Gut aufzugeben. Das Wenige an Land und Vieh, was sie zum Leben hatten, fehlt ihnen dann auch noch. Sie werden noch verwundbarer und abhängiger von Nahrungsmittelpreisen, die der internationale oder nationale Markt festlegt. Oder sie wandern in Länder aus, die ebenfalls bereits Schwierigkeiten haben, ihre eigene Bevölkerung zu versorgen. So sehen sich Uganda und Kenia derzeit Tausenden neuer Flüchtlinge aus dem Nachbarland Südsudan gegenüber, die jetzt notdürftig versorgt werden müssen.

Viereinhalb Milliarden Dollar haben die Vereinten Nationen gefordert, um die Krise abzuwenden. Stand Mitte Februar war nur ein Fünftel der Summe eingegangen. Manche Hilfsprogramme des UNHCR sind laut Adrian Edwards sogar nur zu etwa drei Prozent finanziert.

Weitere Informationen

“Hintergrund über die Dürre von 2011”:http://www.welthungerhilfe.de/ueber-uns/mediathek/whh-artikel/brennpunkt-22.html

Nicht nur „La Niña“ ist schuld

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