Bürgermeister von italienischem Integrations-Dorf zu 13 Jahren Haft verurteilt

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Domenico Lucano (AFP/Franck IOVENE)

Der für seine Integrationsbemühungen europaweit bekannt gewordene Ex-Bürgermeister des süditalienischen Dorfes Riace ist zu mehr als 13 Jahren Haft verurteilt worden. Dem 63-jährigen Domenico Lucano wurde unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Amtsmissbrauch, Betrug und Erpressung zur Last gelegt, wie seine Anwälte am Donnerstag mitteilten. Domenico, der bis 2018 Bürgermeister war, hatte in dem von Landflucht betroffenen kalabrischen Dorf Migranten willkommen geheißen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sieben Jahren und elf Monaten gefordert. Lucanos Anwälte erklärten, das Gericht habe ihn nun in fast allen Anklagepunkten für schuldig befunden und ihm eine fast doppelt so lange Haftstrafe auferlegt - 13 Jahre und zwei Monate. Medienberichten zufolge hat das Gericht Lucano auch zur Rückzahlung von EU-Geldern in Höhe von 500.000 Euro verurteilt, die er für das "Riace-Modell" bekam.

Lucano soll unter anderem Scheinehen organisiert haben, um Frauen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, den Aufenthalt in Italien zu ermöglichen. Ihm wurde auch vorgeworfen, dass er die Abfallentsorgung in dem 1800-Einwohner-Dorf nicht öffentlich ausgeschrieben und stattdessen an Genossenschaften für die Migranten vergeben hat.

Das harte Urteil löste bei Anhängern des Bürgermeisters sowie linken Politikern Empörung aus. "Es ist eine überzogene Verurteilung, die völlig im Widerspruch zu den Beweisen steht", sagten die Anwälte Giuliano Pisapia und Andrea Daqcua. Das Urteil sei "völlig unverständlich und ungerechtfertigt", wurden sie von italienischen Medien zitiert. Lucano lebe in Armut und habe keine finanziellen oder anderweitigen Vorteile aus seiner Tätigkeit als Bürgermeister von Riace gezogen. Lucano werde in Berufung gehen, erklärten die Anwälte.

"Ich habe mein Leben damit verbracht, Anti-Mafia-Ideale zu verfolgen. Als ich Bürgermeister wurde, habe ich mich auf die Seite der Schwächsten gestellt, auf die Seite der Flüchtlinge", sagte Lucano laut der Zeitung "Repubblica", als er das Gericht verließ. Er halte es für "unwahrscheinlich, dass Mafia-Verbrechen mit solchen Strafen belegt werden".

Die Festnahme des Bürgermeisters im Jahr 2018 hatte italien- und europaweit für Aufsehen gesorgt. In Europa wurde das "Riace-Modell" als einfache, aber effektive Methode zur Wiederbelebung dünn besiedelter Dörfer und zur Unterbringung von Asylbewerbern gepriesen. Es wurde mit italienischen und EU-Geldern unterstützt. Im Rahmen des Programms wurden verlassene Häuser restauriert und Handwerksbetriebe in Riace wiedereröffnet, was Touristen anlockte und von vielen als Vorbild für Integration gelobt wurde.

Lucano schaffte es 2016 in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des "Fortune"-Magazins. 2010 wurde er als drittbester Bürgermeister der Welt ausgezeichnet und diente auch als Inspiration für einen Film von Wim Wenders.

mkü/mid

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