Bürgermeister verteidigt Aalster Karneval gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Darstellung orthodoxer Juden auf einem Festwagen

Der Bürgermeister des belgischen Aalst, Christoph D'Haese, hat den Karnevalsumzug in seiner Stadt gegen Antisemitismus-Vorwürfe verteidigt. "Dies ist keine antisemitische Parade, Aalst ist keine antisemitische Stadt", sagte der Vertreter der flämisch-nationalistischen Partei N-VA vor Beginn der Parade am Sonntag. Wegen judenfeindlicher Figuren hatte die Unesco den Aalster Karneval vergangenes Jahr in einem beispiellosen Schritt von der Liste des Immateriellen Weltkulturerbes gestrichen.

"Lasst Aalst Aalst sein", forderte D'Haese vor Journalisten. In seiner Stadt werde "über alles gelacht: die Königsfamilie, den Brexit, die lokale und nationale Politik - und über alle Religionen: den Islam, das Judentum und den Katholizismus", sagte D'Haese. Ziel sei es nicht, "irgendjemanden zu verletzen".

Die Kontroverse um den 600 Jahre alten Aalster Karneval, der seit 2010 auf der Unesco-Liste stand, war im März vergangenen Jahres entbrannt. Auf einem Festwagen waren damals orthodoxe Juden mit Hakennasen auf Geldsäcken stehend und von Ratten umgeben dargestellt worden. Das judenfeindliche Motiv hatte Kritik der EU und jüdischer Organisationen ausgelöst.

Im Vorfeld des diesjährigen Karnevalsumzugs hatten jüdische Organisationen sowie der israelische Botschafter in Belgien, Emmanuel Nahschon, die Befürchtung geäußert, dass bei der Parade erneut "antisemitische Klischees" verbreitet werden könnten. Der israelische Außenminister Israel Katz hatte sogar ein Verbot des "hasserfüllten" Umzugs gefordert.

Diese Forderung wies D'Haese als "unverhältnismäßig" zurück. Er forderte stattdessen, "den Kontext" der Veranstaltung zu berücksichtigen. Es gehöre zum "Ritual der Grenzüberschreitung" beim Aalster Karneval, dass über alles und jeden gelacht werden dürfe.