"Babylon Berlin": Diese Musik bewegte die Menschen in den Goldenen Zwanzigern

Fans von “Babylon Berlin” haben noch die Szenen aus den ersten beiden Staffeln vor Augen, in denen Charlotte (Liv Lisa Fries) im Moka Efti unter anderem zum mitreißenden Titelsong ”Zu Asche, zu Staub“ von Severija tanzte und die Menge tobte. Tatsächlich spiegelte die Musik der 1920er die unbändige Lebenslust nach dem Ersten Weltkrieg wider und brach mit manchen Konventionen.

An guter Musik und exzessiven Feiereien fehlte es in den Zwanzigern tatsächlich nicht. (Bild: Sky)

In den Goldenen Zwanzigern, als die das Jahrzehnt in die Geschichte einging, tat sich musikalisch einiges. Das Leid und die Not des Ersten Weltkriegs noch vor Augen, dürsteten die Menschen nach Ablenkung und feierten exzessiv das Leben, das außerhalb der Nachtclubs für viele von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt war. Die Weimarer Republik war auf dem absteigenden Ast, die Nazis auf dem aufsteigenden, und mittendrin suchten viele Menschen ihr Glück in der Musik.

In Deutschland waren Schlager beliebt

Im Deutschland der Zwanzigerjahre waren vor allem Schlager beliebt, die entweder durch Nonsense-Reime oder frivole Texte auffielen. Als Beispiele eignen sich etwa ”Wer hat bloß den Käse zum Bahnhof gerollt“ oder ”Fräulein, wolln Sie nicht ein Kind von mir?“. Die Comedian Harmonists, deren Lieder ebenfalls in diese Kategorie fallen, hatten ihren ersten Auftritt im Radio 1929 und wurden vor allem in den 1930er-Jahren bekannt. Sehr beliebt waren zu dieser Zeit aber auch aus Operetten bekannte Schlager wie ”Dein ist mein ganzes Herz“ aus Franz Léhars ”Das Land des Lächelns“.

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Der Charleston eroberte die Welt

Weltweit populär wurde in den Goldenen Zwanzigern aber vor allem auch der Charleston, wie ihn auch die Figuren aus ”Babylon Berlin“ im Moka Efti tanzen und dem vor allem in Europa die Tänzerin Josephine Baker ein Gesicht verlieh. 1925 trat sie zu ersten Mal in Paris auf und damit zwei Jahre, nachdem die von dem Pianisten James P. Johnson komponierte Melodie "The Charleston" im Musical "Running Wild" am New Yorker Broadway 1923 aufgeführt wurde. Aber schon 1920 hatte Ben Salvin den Charleston mit seinem Orchester zum Besten gegeben:

Eine komplett neue Tanzrichtung, bei der Ober- und Unterkörper unterschiedliche Bewegungen ausführen und zum ersten Mal Abweichungen von den Grundschritten nicht nur erlaubt, sondern von guten Tänzern gefordert wurden. Genauso war es auch beim Shimmy, der zur gleichen Zeit beliebt war und steigerte sich über den Black Bottom, bei dem das Hinterteil im Fokus stand, über den ”Turkey Trot“ und schließlich den ”Lindy Hop“, bei denen die Tänzer nicht nur Hüpf- und Laufbewegungen ausführten, sondern sich auch in einem Affenzahn hoben, hebelten, warfen und auf den Knien rutschten.

Auch die deutschen Schlager nahmen diese Tänze auf und thematisierten sie zum Beispiel in Liedern wie ”Ja, bei den Hottentotten“. Mit Standardtänzen wie Walzer, Foxtrott oder auch dem Tango, die man bis dahin getanzt hatte, hatte das nichts mehr zu tun.

Marlene Dietrich wurde Ende der 20er-Jahre zum Star. (Bild: Getty Images)

Marlene Dietrich wurde zum Star

Ende der Zwanzigerjahre wurde in Deutschland auch Marlene Dietrich zu einem Star. ”Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ war ebenso ein Erfolg wie das Lied ”Schöner Gigolo“, das sie 1929 aufnahm und das vom Abstieg eines ehemaligen Soldaten handelt, der sich nach Kriegsende sein Geld als Tänzer verdient.

Das melancholische Lied passte in die Stimmung der Zeit kurz vor der Weltwirtschaftskrise. Zwei Jahre später wurde es von Louis Armstrong gecovert und auch international ein Erfolg.

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Die Zwanzigerjahre in den USA

In Amerika landete Nick Lucas mit ”Tip-toe through the Tulips“ einen Hit, der im “Babylon Berlin”-Jahr 1929 zehn Wochen lang auf Platz eins der US-Charts stand.

Lucas war es auch, der als ”The Crooing Troubadour“ bekannt wurde und einen speziellen Gesangsstil verkörpert, der in den 1920ern populär war: ”Croonen“ bedeutet so viel wie ”säuseln“. Eine gute Vorstellung davon bekommt man zum Beispiel beim Hören von Max Raabe oder bei dem Lied ”Side by Side“:

Im Jazz-Bereich lag Cole Porters ”What is This Thing Called Love“ aus dem 1929 uraufgeführten Musical ”Wake Up And Dream“ ganz weit vorne:

Fats Waller landete mit ”Ain´t Misbehavin´“ einen Hit, den Louis Armstrong stantepede coverte:

Und den Text von ”Singin´ in the Rain“ kannten die Menschen in den USA lange, bevor 1952 der gleichnamige Film in die Kinos kam. Neben den bereits genannten prägten auch Duke Ellington (”Bye Bye Blackbird“), Bessie Smith (”Downhearted Blues“), Jimmy Rodgers (”T For Texas“) und George Gershwin (”Fascinatin' Rhythm“) die Zwanzigerjahre.

Der Soundtrack von ”Babylon Berlin“

Das Lebensgefühl der Zwanzigerjahre spiegelt natürlich auch der Soundtrack von ”Babylon Berlin“ wider, für den das Komponisten-Duo Johnny Klimek und Tom Tykwer verantwortlich ist. Fans dürften den prägenden Song der ersten beiden Staffeln noch immer im Ohr haben: ”Zu Asche, zu Staub“ von Severija. Ein Titel, der an das bei Beerdigungen verwendete “Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ angelehnt ist und sich um Tod und Vergänglichkeit dreht. Irgendwann wird alles, was jetzt noch ist, unweigerlich zu Asche und Staub. Bis dahin aber sollte man das Leben in all seinen Facetten genießen, so die Botschaft, und vor allem nicht aufgeben, denn: ”Wunder warten bis zuletzt“, so die Verheißung.

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Während die ersten beiden Staffeln als Einheit galten, die auch direkt nacheinander gezeigt wurden, gibt es für die dritte Staffel nun ”Babylon Berlin Vol. II”. Der Soundtrack stammt größtenteils ebenfalls von Tykwer und Klimek, die für die Musik der ersten Staffeln unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurden. Auch das Bryan Ferry Orchestra ist wieder mit dabei, Meret Becker, die neu zum Cast stieß, singt “Bis in den Mondenschein” und “Elsa Mechanik”, und auch der Song “Wir sind uns lang verloren gegangen” von Natalia Mateo ist nun Teil des Soundtracks.

Die dritte Staffel ”Babylon Berlin“ läuft seit dem 24. Januar um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky 1 HD und im Stream auf Sky Go und Sky Ticket.