Bahn zieht weitere Konsequenzen aus Auffälligkeiten bei Beraterverträgen

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Die Deutsche Bahn zieht weitere Konsequenzen aus der Affäre rund um die Vergabe von dutzenden millionenschweren Beraterverträgen in den vergangenen Jahren. Wie das "Handelsblatt" am Donnerstag berichtete, wurde ein noch bis 2020 laufender Vertrag über 7,89 Millionen Euro mit einem ehemaligen Manager auf Eis gelegt. Zwischen 2008 und 2018 hätten die Bahn und ihre Tochterunternehmen 57 Ex-Manager ohne Zustimmung des Aufsichtsrats als Berater angeheuert.

Bahn-Chefkontrolleur Michael Odenwald sagte der Zeitung, bis zu einer endgültigen Entscheidung über den nun ruhenden Vertrag eines langjährigen Beraters und früheren Vorstands der Tochter DB Cargo "werden keine Leistungen abgerufen und schon gar nicht vergütet". Außerdem seien Rückforderungen gegen einen weiteren Ex-Manager der Bahn-Tochter Schenker eingeleitet worden.

Die Bahn hatte im Juni bekanntgegeben, dass sie Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Beraterverträgen im Unternehmen untersucht. Der Aufsichtsrat der Bahn beauftragte die Beratungsgesellschaft EY "mit der Durchleuchtung aller Beraterverträge", wie das "Handelsblatt" berichtete. Laut eines Gutachtens über 60 Verträge zwischen 2008 und 2018, das der Zeitung vorliegt, wurde der Aufsichtsrat in 57 Fällen nicht informiert, obwohl dies in den meisten Fällen rechtlich vorgeschrieben gewesen wäre.

So habe ein Ex-Manager am Tag nach seinem Ausscheiden aus seinem Job einen Beratervertrag bekommen, weil er "Existenzangst" hatte, habe dafür aber keine Gegenleistung erbracht. Bei einem anderem Ex-Vorstand sei der Vertrag offenbar über eine andere Bahn-Tochter abgewickelt worden, um eine Zustimmung des eigentlich zuständigen Aufsichtsrats zu umgehen.