Bahnkundenverband hält höhere Fahrpreise für eine "Schnapsidee"

ICE in einem Bahnhof

Der Bahnkunden-Verband hat die Forderung des Bahn-Beauftragten Enak Ferlemann nach höheren Fahrpreisen als "Schnapsidee" kritisiert. Auch die Allianz pro Schiene protestierte: Preiserhöhungen für den umweltfreundlichen Bahnverkehr könnten nicht im Interesse des Klimaschutzes sein. Ferleman (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium, hatte gesagt, die Bahn könnte ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren. Er begründete dies auch mit steigenden Preisen für Fernbusse.

Der Präsident des Bahnkunden-Verbandes, Gerhard Curth, erklärte, er habe die Aussagen Ferlemanns "mit äußerstem Befremden" zur Kenntnis genommen. Er verwies auf das "Zukunftsbündnis Schiene" im Bundesverkehrsministerium, das sich eine Verdopplung der Fahrgastzahlen zum Ziel gesetzt habe. "Ferlemanns Forderung bewirkt jedoch eher das Gegenteil."

Der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege, betonte, Bahntickets seien seit 2010 um 16 Prozent teurer geworden - Autofahren lediglich um acht Prozent. Der Preis für Flugtickets sei im selben Zeitraum sogar um zwei Prozent gesunken. "Bahnfahren wird somit ohnehin schon jedes Jahr zwei Prozent teurer, während die konkurrierenden Verkehrsmittel billiger oder kaum teurer werden."

Im Hessischen Rundfunk sagte Flege, Ferlemann verstoße mit seiner Forderung nach Preiserhöhungen gegen die unternehmerische Unabhängigkeit der Bahn. "Wenn die Politik die Preise diktiert, kann man sich die Aktiengesellschaft Bahn gleich schenken und wieder eine Behördenbahn draus machen." Die Allianz pro Schiene vertritt Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften aus der Bahn-Branche.