Die Barclay-Zwillinge: Wie die hoch verschuldeten Milliardäre um ihr Imperium ringen

Die Zwillingsbrüder David (links) und Frederick Barclay (rechts) – Aufsteiger, die ein Leben lang um ihre Vermögen kämpfen müssen. - Copyright: picture alliance / Photoshot | -
Die Zwillingsbrüder David (links) und Frederick Barclay (rechts) – Aufsteiger, die ein Leben lang um ihre Vermögen kämpfen müssen. - Copyright: picture alliance / Photoshot | -

Mit nur 15 Jahren verließen David und Frederick Barclay die Schule, um als Buchhalter und Maler zu arbeiten und dann ein Imperium aus Hotels, Brauereien und Medien aufzubauen. Doch das Lebenswerk der Barclays ist in Gefahr: Mehr als eine Milliarde Pfund Schulden soll die Barclays-Familie haben. Das könnte den Verlust über eine der einflussreichsten Magazine in Großbritannien bedeuten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Über Kredit finanziertes Vermögen

Doch nochmal zurück zu den Anfängen der Gebrüder: David und Frederick Barclay werden 1934 in London geboren. In den 1960er Jahren steigen die Zwillinge in das Immobiliengeschäft ein und kaufen 1995 schließlich The Ritz Luxushotel in der britischen Hauptstadt. Der Hotelkauf kostet sie der "FAZ" zufolge 75 Millionen Pfund (etwa 87 Millionen Euro). 2004 kommt eine weitere schillernde Akquisition: Für 665 Millionen Pfund (etwa 770 Millionen Euro) übernehmen die Brüder die Mediengruppe "Daily Telegraph", wie die "Financial Times" (FT) berichtet. Doch woher haben die Brüder das Geld für diese teuren Investitionen?

Viele Übernahmen finanzieren die Barclays mit Krediten. Das soll die Familie später einholen: Mittlerweile ist sie hoch verschuldet.

Allein der Lloyds Banking Group schulden die Barclays heute 1,1 Milliarden Pfund

Zehn Jahre lang verhandeln die Barclay-Zwillinge die Restrukturierung ihrer Schulden bei der Bankengruppe Lloyds. 2020 müssen sie The Ritz an einen Investoren aus Katar für 750 Millionen Pfund (etwa 867 Millionen Euro) verkaufen. Doch weder die Lloyd Group noch die Barclays bekommen viel davon – denn die Schulden anderer Kreditgeber haben der "FT" zufolge Vorrang.

Vanessa Ahuja (links), Vorständin Leistungen und Internationales der Bundesagentur für Arbeit, und Andrea Nahles (rechts), Vorsitzende des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit
Vanessa Ahuja (links), Vorständin Leistungen und Internationales der Bundesagentur für Arbeit, und Andrea Nahles (rechts), Vorsitzende des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit

Familienkonflikte enden im Gerichtssaal

Immer wieder bringen bizarre Anschuldigungen und Erbschaftsstreitigkeiten die Familie vor Gericht. Als der Vater von David und Frederick stirbt, streitet sich die Familie um sein Erbe und bringt den Streit vor die Justiz. Auch beim Verkauf des Ritz droht Frederick mit einer Klage, weil ihm der Verkaufspreis zu niedrig vorkomme, so die "FAZ".

Und auch der Spionagevorwurf steht im Raum: Frederick und seine Tochter beschuldigen die Söhne von David, sie im Ritz belauscht zu haben und ziehen vor Gericht. Tausende privater Gespräche sollen abgehört worden sein. Schließlich bekommt Frederick eine Abzahlung in Wert von 800.000 Pfund (etwa 922.000 Euro) und muss Prozesskosten in Höhe von 7,5 Millionen Pfund (etwa 8,65 Millionen Euro) tragen, als er die Klage im Juni 2021 fallen lässt, das berichtet der "Guardian".

Nicht nur mit seinen Neffen steht Frederick vor Gericht. Auch seine Ex-Frau Hiroko verklagt Barclay. Der Richter ordnet 2021 eine Scheidungsabfindung in Höhe von 100 Millionen Pfund (115,7 Millionen Euro) an. Während des Prozesses kommt ans Licht, dass Frederick seit 2014 aus dem Familienvermögen abgeschnitten wurde, berichtet die "FT". Als David im Januar 2021 stirbt, hinterlässt er eine zerstrittene Familie.

Was bleibt vom Barclay-Imperium?

Trotz des Ritz-Verkaufs im Jahr 2020 bleiben die Barclays hoch verschuldet. Nach Scheitern der Schuldrestrukturierungsversuche entscheidet sich die Lloyd Group für einen neuen Weg: Die Bankgruppe nimmt Kreditsicherungen in Besitz, um sie weiterzuverkaufen. Im Juni dieses Jahres verlieren die Barclays die Kontrolle über ihre "Ikone", die "Telegraph"-Mediengruppe. Schätzungsweise könnte der Verkauf der Mediengruppe eine halbe Milliarde Pfund (578 Millionen Euro) aufbringen, so die "FT".

Der "FAZ" zufolge versucht die Familie, über einen Geldgeber aus den Vereinten Arabischen Emiraten die "Telegraph"-Gruppe oder wenigstens einen Teil davon zurückzuerwerben. Ob das den Barclays gelingt, bleibt offen.

Und die Familie könnte noch mehr als nur den "Telegraph" verlieren: Mittlerweile haben Investoren auch den Rest des Barclays-Imperiums im Visier, berichtet die "FT". Das Handels- und Finanzunternehmen Very Group hatte während des Pandemie-Booms 2021 einen geschätzten Wert von drei bis vier Milliarden Pfund (3,5 bis 4,6 Milliarden Euro). Heute soll das Unternehmen weniger wert sein. Mit Schulden in Höhe von 180 Millionen Pfund und wenig Eigenkapital verspricht das Barclays-Lieferunternehmen Yodel auch nicht viel Aufkommen, so die "FT".

Heute bröckelt der einst erstaunliche und hart erkämpfte Barclay-Aufstieg. Zwei Brüder bauten einmal ein Imperium auf, doch dem verbliebenen Bruder, mittlerweile 88 Jahre alt, und den nachfolgenden Generationen rückt gerade der Zerfall drohend näher.

AA