Barclays' Fat-Finger-Trade? Wie ein Tippfehler 3 Milliarden Pfund teuer wurde

Stefica Budimir-Bekan
·Freie Autorin
·Lesedauer: 3 Min.

Ein überraschender Kurseinbruch der Barclays-Aktie wirft Fragen auf. Händler machen einen Fat-Finger-Trade dafür verantwortlich. Denn es wäre nicht der erste Fall dieser Art.

Logos are seen outside a branch of Barclays bank in London July 30, 2013. Barclays is raising 5.8 billion pounds ($8.9 billion) from its shareholders to help plug a larger-than-expected capital shortfall identified by Britain's financial regulator at the 320-year-old bank. REUTERS/Toby Melville (BRITAIN - Tags: BUSINESS)
Ein Kurssturz der Barclays-Aktie sorgte kürzlich für Spekulationen (Bild: Reuters)

Vor elf Jahren trieb ein Händler im Alleingang mit nicht genehmigten Rohstoff-Spekulationen den Ölpreis steil nach oben: Steve Perkins kaufte sturzbetrunken mitten in der Nacht für 520 Millionen Dollar fast 70 Prozent des gesamten Ölmarkts auf. Am nächsten Tag konnte er sich an nichts erinnern.

Seinem damaligen Arbeitgeber bescherte der Mann Millionen-Verluste. Denn: Perkins hatte gar keine Erlaubnis dafür, mit Firmengeldern am Ölmarkt zu spekulieren. Und nicht nur das: Andere Zocker bekamen Wind von den Spekulationen, witterten das große Geld und zogen mit. Die Folge: Der Ölpreis stieg um zwei Dollar auf ein neues Jahreshoch. Später gab der unglückliche Händler zu, dass er keinen blassen Schimmer gehabt habe, was er da tat. Danach warnten die Finanzaufseher vor Steve Perkins. Der Mann stelle ein extremes Risiko für den Markt dar, wenn er getrunken habe, hieß es.

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Als die Barclays-Aktie vergangenen Mittwoch direkt in den ersten Minuten der Handelssitzung auf 168 Pence absackte und damit zehn Prozent an Wert verlor, wurden die Erinnerungen an Steve wieder wach. War er wieder zurück? Direkt im Anschluss gingen die Titel wieder auf 186 britische Pence hoch. Ein Tippfehler (168 statt 186) wäre hier nicht ungewöhnlich. Schnell machten Spekulationen über einen möglichen Fat-Finger-Trade die Runde. War die Fehleingabe eines Marktteilnehmers für die Talfahrt der Aktie verantwortlich? "Einer war gestern Nacht im Pub", sagte ein Händler gegenüber "The Times".

Darauf deutet auch das massive Ordervolumen in den ersten zwei Handelsminuten hin: Binnen kürzester Zeit wurden 6,6 Millionen Aktien bewegt, was in etwa acht bis zehn Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes entspricht. Der Crash hatte üble Folgen für das Unternehmen: Die Bank war plötzlich 3 Milliarden Pfund weniger wert! 

Was ist ein Fat-Finger-Trade?

Bei einem Fat-Finger-Trade oder auch Fat-Finger-Fehler handelt es sich um Tippfehler oder Zahlendreher bei Geschäften an der Börse, die immer wieder für Chaos sorgen. Oft werden auch Millionen und Milliarden verwechselt. Meist gibt ein Händler mehr Nullen ein, als er eigentlich geplant hatte. Egal ob durchzechte Nacht oder nicht, Börsenspekulanten müssen dafür nicht einmal einen Blackout haben: Sie verkaufen dann beispielsweise 500.000 Barclays-Aktien, obwohl sie eigentlich 50.000 kaufen wollten. 

Normalerweise haben Handelshäuser Computer, die Alarm schlagen, wenn etwas Ungewöhnliches läuft, den Fehler ausfindig machen und ihn dann wieder in Ordnung bringen.

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Normalerweise. Was aber wahrscheinlicher ist, ist, dass die Computer der Konkurrenz merken, dass sich etwas anbahnt (eine Krise bei Barclays?) und dann selbst die Aktien kaufen. Statt das Problem aus der Welt zu schaffen, verschlimmern sie es. 

Wer aufgrund der Talfahrt der Barclays-Aktie Verluste gemacht hat, ist allerdings nicht bekannt. Und auch nicht, ob es wirklich ein Fat-Finger-Trade war. Ein Händler wird so einen Tippfehler natürlich nicht zugeben – außer er kostet das Unternehmen wie im Fall Perkins Millionen von Dollar. 

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