Barmer-Report: Therapie gegen Parodontitis oftmals zu spät

Eine Parodontitis kann zum Verlust von Zähnen führen

Die Behandlung von Parodontitis, einer durch Bakterien verursachten Entzündung des Zahnbetts, erfolgt einer Studie zufolge oftmals zu spät. Nach der Therapie gehen bei etwa einem Drittel der Patienten und damit bei bundesweit rund 440.000 Erkrankten innerhalb von vier Jahren Zähne verloren, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Barmer-Zahnreport hervorgeht.

Zwar lassen dem Report zufolge etwa 50 Prozent der erwachsenen Versicherten und damit rund 34 Millionen Menschen binnen zwei Jahren eine Parodontitis-Untersuchung vornehmen. Im Jahr 2015 durchliefen allerdings nur 1,2 Millionen eine Therapie. Dies seien weniger als zwei Prozent der Versicherten.

"Auch wenn natürlich nicht jeder Betroffene jedes Jahr eine Therapie benötigt, gibt es doch eine deutliche Diskrepanz zwischen den an Parodontitis Erkrankten und den Behandelten", erklärte Studienautor Michael Walter vom Universitätsklinikum Dresden. Dies sei umso bedenklicher, weil der Therapieerfolg mit voranschreitender Erkrankung immer unsicherer werde.

Nach der im vergangenen Jahr veröffentlichten fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie sind Parodontalerkrankungen in Deutschland auf dem Rückzug. Fälle von schwerer Parodontitis bei jüngeren Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren halbierten sich demnach seit 2005. Auch bei den 65- bis 74-jährigen Senioren ging die Parodontitis deutlich zurück.

Dennoch ist mindestens jeder zweite Erwachsene parodontal erkrankt - 43 Prozent mittelschwer und acht Prozent schwer. Im Durchschnitt sind bei jedem jüngeren Erwachsenen 2,7 Zähne betroffen.

Offensichtlich fruchteten Präventionsmaßnahmen wie die professionelle Zahnreinigung, aber auch das verbesserte Mundgesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung, erklärte Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), am Donnerstag in Berlin. Patienten, die regelmäßig zur Zahnreinigung gehen, leiden bis zu 50 Prozent weniger an einer Parodontitis.

Dennoch bleibt die Parodontitis laut BZÄK "eine Volkskrankheit". "Aufklärung und Prävention müssen unbedingt verstärkt werden", forderte Oesterreich.

Auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) forderte von den Krankenkassen mehr finanzielle Mittel für Prävention und Aufklärung durch den Zahnarzt. "Im Bewusstsein der Menschen handelt es sich fälschlicherweise um eine Bagatellerkrankung", warnte KZBV-Chef Wolfgang Eßer. Die Bedeutung der zunächst schmerzlosen Krankheit und der Zusammenhang mit Diabetes, Pneumonien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Frühgeburten werde unterschätzt.

Das Risiko für einen Zahnverlust durch Parodontitis ist beispielsweise bei Diabetespatienten deutlich erhöht. Bei jungen Diabetikern ist das Risiko demnach mehr als doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Nichtdiabetikern.

Bei der Parodontitis oder Zahnbettentzündung, umgangssprachlich auch Parodontose genannt, handelt es sich um eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie zerstört Gewebe und Knochen über einen längeren Zeitraum hinweg und kann am Ende zum Zahnverlust führen. Erste Warnsignale sind Zahnfleischbluten, Schwellungen, Rötungen und Mundgeruch.

Die Parodontitis wird durch Beläge auf den Zähnen und in den Zwischenräumen verursacht. Diese versucht der Körper zunächst durch eine Zahnfleischentzündung abzuwehren. Ohne Behandlung kann die Entzündung in tiefere Gewebe vordringen, wodurch eine Parodontitis entstehen kann. Raucher, Diabetiker, Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und viel Stress sind besonders gefährdet. Auch erbliche Faktoren können eine Rolle spielen.

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