Basketballstar teilt emotionales Coming-Out mit seinem Team

Der australische Basketballstar Isaac Humphries ist ein echter Riese. Doch seine größte Herausforderung meisterte der 2,11 Center nicht auf dem Spielfeld.

Isaac Humphries (rechts) bei einem Spiel für sein neues Team Melbourne United. (Bild: Kelly Defina/Getty Images)
Isaac Humphries (rechts) bei einem Spiel für sein neues Team Melbourne United. (Bild: Kelly Defina/Getty Images)

Es ist dem Basketballprofi anzusehen, wie groß die Hürde ist, die er gleich überwinden wird. Auf einem Stuhl in der Kabine von Melbourne United sitzend, hat er alle Mitspieler und Coaches um sich versammelt und setzt dann zu seiner etwa anderthalbminütigen emotionalen Rede an.

Humphries stammt aus einem Vorort von Sydney. Doch schnell wuchs der Teenager über sich hinaus. Dank seines Talents und seiner Größe führte ihn sein Weg bald über den Ozean und zu den Kentucky Wildcats, einer der größten Collegemannschaften der USA. In der NCAA spielte der Center gut genug, um sich für den NBA-Draft anzumelden. Doch zu mehr als ein paar Kurzeinsätzen bei den Atlanta Hawks sollte es nicht reichen, so dass Humphries schließlich nach Australien zurückkehrte, wo er zum besten Rookie der Saison 2018 gewählt wurde. Seit 2019 spielt er für die australische Nationalmannschaft, seit diesem Sommer spielt er für Melbourne United in der NBL.

Neustart auf und neben dem Feld

Dort wollte der 24-Jährige einen Neustart und zwar nicht nur auf dem Court. Am Dienstag, dem 15.11., öffnete er sich seinem Team und mit ihm der Welt. In einem Twitter-Video, dass der Spieler auf seinem Account teilte, ist die ganze Konversation mit seinen Mannschaftskameraden zu sehen. "Das hier wird wahrscheinlich das schwierigste Gespräch, das ich jemals in meinem Leben führen musste. Aber im Leben geht es darum, auch schwierige Dinge zu tun und von ihnen zu lernen und durch die harten Zeiten eine Veränderung zu erreichen."

Vor einigen Jahren sei er in einen "sehr dunklen, sehr einsamen Ort" gestürzt. "Ich konnte nicht sein, wer ich bin und habe versucht, mir das Leben zu nehmen." Er habe alles an sich gehasst und sich abscheulich gefunden, gibt der Basketballprofi offen zu. Der Hauptgrund hinter seinen inneren Kämpfen sei die Auseinandersetzung mit seiner Sexualität gewesen: "Ich kam nicht mit dem Fakt klar, dass ich schwul bin."

"Ich will mich nicht länger verstecken"

Doch nun will er anders mit dem Thema umgehen und sich nicht länger verstecken. "Ich habe entschieden, dass ich, wenn ich zu einem neuen Team komme ein öffentliches Coming-Out haben werde und sicherstellen werde, dass die Menschen wissen, dass man leben kann, ohne sich zu verstecken, auch wenn man Sportler ist." Seine Mannschaftskameraden applaudierten ihm nach seiner Rede. Viele kamen zu ihm, um ihn zu umarmen.

Humphries will mit seinem mutigen Schritt auch anderen Menschen Kraft geben: "Das ist mein Ziel hinter all dem. Die Menschen sollen wissen, dass du sein kannst, wer du sein möchtest, sei großartig, sei ein toller Basketballspieler." Immer noch ist das Coming-Out von aktiven Profisportlern ein Tabu. Im Basketball gab es bisher mit Jason Collins und John Amaechi zwei prominente Vorbilder, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität äußerten. In der NBL ist Humphries nun der erste Spieler, der sich geoutet hat.

Anmerkung der Redaktion: Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.

Im Video: Highlights: Doncic, der schillernde Maverick