"Bauer sucht Frau": Die Heiratswilligen stellen sich vor

Inka Bause macht sich wieder auf die Suche nach Frauen für ihre Single-Bauern. In der Vorstellungs-Sendung stellt sie diese erstmal vor. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

„Bauer sucht Frau“ startet in die nächste Runde – in der ersten Folge stellen sich die Single-Bauern vor. Dabei scheinen immer wieder antiquierte Rollenbilder durch, dazu wird das Landleben romantisiert und Inka Bause moderiert sich von Oberflächlichkeit zu Oberflächlichkeit.

RTL startet seine Sommer-Dating-Offensive, mit dabei: „Bauer sucht Frau“, „Bauer sucht Frau“ in der international Edition und ganz neu, „Schlager sucht Liebe“ – die Show folgt, wenig überraschend, dem gleichen Prinzip. Ein mehr oder minder bekannter Schlager-Sänger, der seine Suche nach der ganz großen Liebe in die zarten Hände von RTL legt. Doch dazu mehr beim nächsten Mal (die Vorschau jedenfalls verspricht großes Reality-TV-Potenzial, mitten im quälend langen Sommerloch ohne Bachelor, Dschungel oder Temptation Island).

Heute aber dreht es sich um den Staffelbeginn von RTLs Ur-Dating-Kontroverse „Bauer sucht Frau“. Das Prinzip kurz nachgezeichnet: 13 Landwirte oder Bauern, da nimmt es RTL nicht so streng, dieses Mal ist auch ein Alpaka-Züchter mit dabei, stellen sich in der ersten Folge in einem kurzen Imagefilm vor. Danach dürfen sich Frauen via Mail melden und ihr Interesse bekunden. Auf dem anstehenden „Hoffest“ lernen die Bauern ihre Kandidatinnen kennen und wählen nach kurzen Dates ein bis drei der Frauen aus, die mit ihnen zur Probe auf den Hof ziehen. Nicht selten klingeln dann irgendwann die Hochzeitsglocken – 29 Mal war es laut RTL schon so weit.

Da ist Zug drin

Das klingt nach einer hohen Erfolgsquote – dennoch ist die Show im Verruf, ihre Protagonisten vorzuführen. Was ist da dran? Auf den ersten Blick nicht viel: Die Bauern werden in freundlichen Kurz-Einspielern vorgestellt, sie lächeln dabei verträumt in die Kamera, tragen Häschen auf dem Arm oder haben eine Kuh darunter, niemand wird untertitelt – was sonst ein gern gewähltes Mittel von RTL ist, das in Mundart Gesagte künstlich zu verdummen.

Der 27-jährige Thomas aus Nordrhein-Westfalen ist über zwei Meter groß - wie ihn die Frauen nur bislang übersehen konnten, fragt sich Inka Bause. Foto: TVNOW

13 Bauern werden in der ersten Folge vorgestellt. Da ist Zug drin bei nur einer Stunde Sendezeit. Dazu wird immer wieder die Hochzeit eines Paares aus einer der vergangenen Staffeln dazwischen geschnitten. Die Highlights daraus sind schnell erzählt: die Ringe sind aus Tierknochen, Norbert und Petra, so heißen die beiden, heiraten in einem Mittelalterdorf, ihre Kleidung ist entsprechend, den Antrag machte Norbert vor ihrem mit Rosen garnierten Bett. Ende. Ach ja, die beiden sind wirklich süß zusammen.

Romantisierung des Landlebens

Aber zurück ins Hier und Jetzt: Weil die Vorstellung der Bauern so flott abgehandelt wird – sie geben mitunter nur wenige Sätze von sich – bleiben ihnen nicht viel mehr, als oberflächliche Charakter-Schablonen: Da ist der 33-jährige Christian aus Niedersachsen, er ist der Draufgänger-Typ, der in seiner Freizeit gern Gas gibt, etwa auf seinem Quad. Oder der Singlebauer Kai, 41, aus Hessen, dem zu seinem Glück nur noch eine Frau fehlt – er vermisst das Gefühl verliebt zu sein. Er ist der Romantiker. Oder Sven, er sucht „eine Frau mit zwei Armen und zwei Beinen und einem Kopf“ – der Realo.

Genau genommen lernt man nichts über die Bauern – denn selbst ihre wenigen Sätze klingen oft abgenutzt und vielfach eingesprochen, weil sie vermutlich genau das sind: vielfach geübt und vielfach eingesprochen, bis es der Produktion passt. Hier besteht die Gefahr, dass die Bauern dank vorgeschriebener Texte, das ist leider Usus bei RTL, in zu tumbe Klischees verfallen. Aber es ist noch zu früh, zu urteilen.

Der 41-jährige Kai aus Hessen ist Romantiker. Foto: TVNOW

Inka Bause moderiert die Sendung – neben den künstlich farbintensivierten Bildern der Bauern im Heu, wie sie mit Kaninchen oder Lämmern schmusen – sind vor allem ihre Texte für die zuckersüße Romantisierung des Landlebens verantwortlich. Das ist mit Sicherheit lebenswert und genießt zahlreiche Vorzüge, aber eben nicht nur. Bause spricht von „tollen Kerlen“, „Natur“, „Freiheit“, „großer Weite“. Dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben müssen, weil sich ihre Arbeit nicht rechnet, dass Landwirte harte Arbeitszeiten haben und viel körperliche Arbeit verrichten, dass unter dem Druck Familien zugrunde gehen – allein in dieser Staffel stellen sich zahlreiche Bauern ohne Partnerin, dafür mit Kind vor – von alledem ist leider kein Wort zu hören. Ein wenig mehr Differenzierung und weniger Inszenierung würde hier gut tun.

Überholtes Frauenbild – ohne Frauen

Zuletzt das Frauenbild – das schimmert immer wieder recht antiquiert durch. Wenn ein Bauer etwa sagt, er wolle „keine Zicke, davon hab ich schon genug“, oder wenn ein anderer angibt, er sei ein körperlich starker Mann, der eine Frau beschützen könne (wovor?) oder wenn Bause zu einem Bauern sagt, er habe, mit Blick auf seine Kühe, „die Mädels gut im Griff“ – dann findet hier eine dermaßen überholte Geschlechtertrennung in „starkes“ und „schwaches“ Geschlecht statt, das ist schon beinahe traurig. Aber vielleicht können das die Frauen wieder geraderücken, wenn sie dann Bestandteil der Show sind.

Über die erste Folge „Bauer sucht Frau“ gibt es ansonsten nicht viel mehr zu schreiben, als: keine Aufreger, alles harmlos.