Beauty-OPs mit Anfang 20: TV-Reportage beschäftigte sich mit dem Schönheitswahn

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Seit 17 Jahren lässt sich die 46-jährige Nicole bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn behandeln. (Bild: ZDF / diwa film)
Seit 17 Jahren lässt sich die 46-jährige Nicole bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn behandeln. (Bild: ZDF / diwa film)

Der Hype um das möglichst perfekte Aussehen ist ungebrochen. Er nimmt sogar weiter zu. Immer Menschen lassen Nachhelfen mit Botox und Co. Mit welchen Folgen? Eine "37°"-Reportage ging dem Phänomen auf den Grund.

In einer immer mehr auf Social Media stattfindenden und auf Äußerlichkeiten ausgerichteten Welt, wird gutes Aussehen immer wichtiger. Aber wie ist das nun mit der Schönheit: Wer ist wirklich schön? Wer hat schon "was machen lassen"? Wieviel Attraktivität braucht man fürs gesunde Selbstwertgefühl? Und wie steht es heute eigentlich um die inneren Werte? Überhaupt: Wie wird man mit dem zunehmenden Druck fertig, wenn sich gefühlt überall nur noch Influencer und Influencerinnen oder Models tummeln und man sich selbst eher durchschnittlich fühlt? - Jeder kann und soll sich heute von seiner besten Seite zeigen: Das Leben ist gerade für junge Menschen ganz schön kompliziert geworden. Aktuelle Studien belegen eine zunehmende Orientierung an Stereotypen: Nur zehn Prozent der Bundesbürger seien mit ihrem Äußeren zufrieden, heißt es in Umfragen. Und das gilt gleichermaßen für Ältere wie Jüngere, Frauen und zunehmend auch Männer. Eine "37°"-Reportage im ZDF hat am Dienstagabend anhand einiger Beispiele aufgezeigt, was hinter dem Hype um die Attraktivität steckt.

Fakt ist: Deutschland ist heute eines der Länder mit den meisten Schönheitseingriffen - Tendenz steigend. Allein 2020 wurden etwa 81.000 entsprechende Behandlungen registriert. Die Nachfrage nach Botox & Co. erscheint ungebrochen. Unter dem Deckmantel einer erhofften Selbstoptimierung werde sie noch weiter zunehmen, glauben Experten. Viele von ihnen sitzen in München. Die bayerische Isar-Metropole ist voller attraktiver Influencer, und es ist die Stadt mit den prozentual meisten Schönheitsärzten. In zwei Beauty-Doc-Praxen konnte ein Reportage-Team im Rahmen von "37°" sehr offen filmen - und gab am Dienstagabend zweifelhafte Einblicke in die Welt des Perfektionierungswahns.

Die Kosmetikerin Nicole (links) strebt nach perfekter Schönheit. Auch ihrer Mutter Karin soll man mit über 70 die Spuren eines schweren Lebens im Gesicht nicht ansehen.  (Bild: ZDF / diwa film)
Die Kosmetikerin Nicole (links) strebt nach perfekter Schönheit. Auch ihrer Mutter Karin soll man mit über 70 die Spuren eines schweren Lebens im Gesicht nicht ansehen. (Bild: ZDF / diwa film)

Selbstbewusst durch Botox

Beispiele wie das der ehemaligen Chefsekretärin Yasmin zeigten, dass der Griff zu Botox durchaus das Selbstbewusstsein steigern kann. Für sie bedeutete er sogar das Ende einer langen Leidensgeschichte. Von Jugend an fühlte sie sich als hässliches Entlein. Zu klein, zu dick, hässlich. Erst mit Mitte 50 beschloss Yasmin, eine Psychotherapie gegen die Depressionen zu machen, und gönnte sich zur Belohnung die erste Botox-Behandlung. "Stolz wie Oskar" habe sie sich gefühlt.

Die Münchner Schönheitschirurgin Dr. Leila Frohn sieht sogar einen Zusammenhang zwischen ausbleibenden Komplimenten und psychischen Problemen: Wenn die "positive Außenverstärkung" wegfalle, sei besonders bei attraktiven Menschen das Risiko hoch, depressiv zu werden, so Frohn. Die Frage, ob Schönheitseingriffe deshalb ein probates Mittel gegen Depressionen seien, blieb im Raum stehen.

Doch nicht nur Frauen mittleren Alters wie Yasmin bemühen sich mit der Spritze gegen aufkommende Falten, wie der Film zeigte. Auch die Jugend ist längst auf darauf gekommen. Besonders junge Frauen und Männer seien empfänglich für die Verlockungen gekaufter Perfektion, davon berichtet Mailin. Alle ihre Freundinnen und Freunde hätten schon "etwas machen lassen", erzählte die Steuerberatergehilfin - dabei ist Mailin erst 23 Jahre jung.

Doch für ein makelloses Aussehen wird in der jungen Generation vieles in Kauf genommen. Darunter sind auch Schmerzen, Risiken und Kosten - alles egal. Mailin liege es am Herzen, das Thema zu enttabuisieren, erklärte sie. Umso herzzerreißender war es, als Mailin schweren Herzens über ihr "wirkliches Problem" sprach: ihre Nase. Die wurde allerdings bereits vor der Sendung verkleinert, so dass die junge Frau selbstbewusst vor die Kamera treten konnte - Schönheits-OP sei dank.

"37°: Spieglein, Spieglein an der Wand" ist in der ZDF Mediathek verfügbar.

Der ehemalige Polizist Norbert steht zu seinen Besuchen bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn. Mit Botox kämpft der 60-Jährige gegen die Erscheinungen des Alterns an. (Bild: ZDF / diwa film)
Der ehemalige Polizist Norbert steht zu seinen Besuchen bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn. Mit Botox kämpft der 60-Jährige gegen die Erscheinungen des Alterns an. (Bild: ZDF / diwa film)