Beauty weltweit: Bürgermeister im Libanon ordnet sexy Polizeiuniformen an

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Knapp und sexy: So sieht die neue Polizeiuniform in einer Stadt im Libanon aus. Der Bürgermeister hat es so angeordnet – die Begründung ist zweifelhaft. Foto: Getty Images / Marco Garrincha

Weil er mehr westliche Touristen in seine Stadt locken möchte, ordnete der Bürgermeister von Brummana Pierre Achkar in diesem Sommer an, dass seine weiblichen Polizistinnen in Shorts zur Arbeit kommen sollen. Die Reaktionen in den sozialen Medien und der christlichen Stadt schlagen nun in verschiedene Richtungen aus.

Sexy Frauen, die Männer anlocken – spätestens seit den Geschichten über die Loreley, bei deren Gesang so viele Schiffsleute den Tod fanden, ist dieses Bild völlig selbstverständlich in unseren Köpfen. Wir finden es immer wieder in der Werbung, die mittlerweile schon unsere Schönheitsideale in eine Richtung verkehrt hat, die weit weg von einem realen Frauenkörper ist.

Auch deswegen gibt es immer wieder Marken, die sich mit Absicht für Models entscheiden, die körperlich eingeschränkt sind, die keine porentief reine Haut haben, an deren Körper es sich die Orangenhaut gemütlich gemacht hat oder die andere, bis dahin als “Schönheitsfehler” bezeichnete, Details aufweisen.

Doch diesen Trend hat der Bürgermeister von Brummana im Libanon noch nicht mitgekriegt. Er gehört zur alten Garde der Männer, die sagen: “sex sells – war so, ist so und muss immer so bleiben.” Warum sonst hätte er anordnen sollen, dass in seiner – eigentlich christlichen – Stadt, junge hübsche Polizistinnen nun in knappen Höschen, stark geschminkt, mit fein gemachten Nägeln und wallendem Haar herumlaufen sollen?

 

In einem Statement sagte der Bürgermeister dazu: “Das Ziel ist, eine Botschaft an den Westen zu senden. Wir im Libanon wollen das düstere Bild, das der Westen von uns hat, ändern und Touristen von dort zu uns bringen.”

Ein Team von fünf Frauen – alle Anfang 20 und in der Mitte ihres Studiums – hat im Sommer als Streifenpolizistinnen gearbeitet. Der Bürgermeister fügte zur Verteidigung seiner Idee hinzu, dass 99 Prozent der Touristen im Mittelmeerraum kurze Hosen tragen würden.”

Die Probleme dieser Entscheidung jedoch sind vielfältig: Zunächst einmal tragen die Touristen ihre Hotpants freiwillig, sie wurde ihnen nicht als Uniform gegeben, die sie tragen müssen, um zu arbeiten.

So sexy zeigt sich der Libanon: (Foto: MiddleEastEye/Instagram)

Außerdem werden männliche Kollegen nicht in sexy Uniformen gesteckt. Im Sinne der Gleichberechtigung wäre das geboten, im Sinne des Fortschritts wäre das natürlich ebenso großer Quatsch. Touristen jedoch lassen sich von vielerlei Blödsinn anlocken, vielleicht also auch von den knapp bekleideten Verkehrshüterinnen, die von Zeitungen schon als die “langen Beine des Gesetzes” betitelt wurden. Aber: Kann man auf diese Weise wirklich das Bild eines modernen, offenen Libanon kreieren?

Eher nicht. Frauen auf ihre Äußerlichkeiten zu reduzieren, davon versucht sich der Westen gerade zu verabschieden und auf der ganzen Welt kämpfen Menschen dafür, die Objektifizierung von Frauen und allgemein allen Menschen, zu beenden. Die eingesetzten Mädchen sind alle Studentinnen an der Universität, sie sollten in den Köpfen der Männer, mit denen sie sich umgeben, mehr sein als ein Objekt der Begierde, etwas, das man sich gern ins Bett holt. Auch die Twittergemeinde ist von dieser bürgermeisterlichen Idee nicht begeistert.


Der eine Fakt, bei dem man nun nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, ist: Die Mädels selber finden es gar nicht so schlimm. “Wir haben diese Arbeit freiwillig angenommen und üben sie mit Begeisterung aus. Und wir hoffen immer noch, dass die Arbeit nächste Sommersaison wieder kommen wird”, sagte Hilfspolizistin Samata Saad der lokalen Zeitung. An dieser Aussage lässt sich entweder das Alter der Frau ablesen, die gar nicht versteht wie weit sie mit diesem Spruch alle Frauenrechtler zurückwirft oder aber sie zeigt, wie weit weg Brummana trotz Hotpants-Uniform von westlichen Wertvorstellungen ist.