Bedrohen Sonnencremes das Ökosystem des Mittelmeers?

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Harmloser Sonnenschutz? Eine Studie zeigt jetzt, dass Chemikalien, die in Sonnencremes vorkommen, die Pflanzenwelt im Mittelmeer schwer belasten.

Das untersuchte Seegras wies hohe Werte von Chemikalien auf.
Das untersuchte Seegras wies hohe Werte von Chemikalien auf. (Bild: Getty)

Das Seegras Posidonia oceanica wächst im ganzen mediterranen Raum. Auch rund um die Küsten von Mallorca wächst es am Meeresgrund. Dort untersuchten Wissenschaftler*innen nun die Belastung der Wasserpflanze, die auch Neptungras genannt wird, denn die Seegraswiesen sind ein wichtiger Bestandteil des marinen Ökosystems.

Die Studie, die im Fachblatt "Marine Pollution Bulletin" veröffentlicht wurde, zeigt den starken menschlichen Einfluss auf diese Ökosysteme. Denn in den Stängeln des Seegras wurden ultraviolette Filter entdeckt. Die Wissenschaftler*innen vermuten, dass diese Verschmutzungen das Ergebnis von Abfällen der Tourismusindustrie sind. Vor allem könnte es sich dabei um herunter gewaschene Rückstände von Sonnencremes handeln.

Chemische Verbindungen in Seegras

"Diese marine Enklave wird beeinträchtigt von der Hafenindustrie, Abwasser und Tourismus," sagte Co-Autorin Dr. Silva Díaz Cruz gegenüber dem britischen "Guardian". Weil das Mittelmeer verhältnismäßig klein und flach ist, nehmen die Anteile an Chemikalien schnell bedrohliche Ausmaße an. In den Proben wurden Chemikalien in verschiedenen Konzentrationen nachgewiesen. Darunter waren laut der Studie unter anderem die chemischen Verbindungen Oxybenzone, Avobenzone, 4-Methyl und Benzophenone-4.

Dies sei zumindest Besorgnis erregend, finden die Wissenschaftler*innen. "Sollten wir herausfinden, dass der Sonnenschutz die Fotosynthesis oder Produktivität des Seegras beeinflusst, werden wir ein echtes Problem bekommen," sagte Nona Agawin, ebenfalls Co-Autorin der Studie. Sie unterstrich die wichtige ökologische Rolle der Seegraswiesen besonders für die Mittelmeerküste. Unter anderem beherbergen sie eine Vielzahl mariner Arten, verhindern die Erosion der Küsten und speichern CO2.

Alternativen zu chemischen Sonnencremes entwickeln

Vorherige Studien hatten bereits nachgewiesen, dass die Rückstände von Sonnencremes einen negativen Effekt auf Fische, Delfine oder Schildkröten haben. Auch die bedrohten Korallenriffe weltweit leiden unter den Chemikalien, die in Sonnenschutzmitteln verwendet werden und dann in den Meeren landen. In der Folge wurde die Verwendung dieser Chemikalien bereits an mehreren touristischen Orten untersagt, um das empfindliche Gleichgewicht nicht weiter zu belasten. So dürfen Sonnencremes mit entsprechenden Inhaltsstoffen nicht mehr in Florida, Palau oder Hawaii benutzt werden. Die Autor*innen der Studie sprechen sich dafür aus, auch das Mittelmeer besser zu schützen, indem umweltverträglichere Alternativen für den Sonnenschutz entwickelt werden.

Im Video: 5 wichtige Tipps - Sonnencreme richtig auftragen