Behörden ermitteln nach Dioxinfund in Hamburger Naturschutzgebiet auf Hochtouren

Bodenproben werden in dem Areal genommen

Nach dem Fund von hochgiftigem Dioxin in einem Hamburger Naturschutzgebiet deuten Ermittlungen der Behörden auf Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion eines großen Chemiekonzerns hin. Wie die Behörde für Umwelt am Donnerstag in der Hansestadt mitteilte, suchten die Polizei und sie selbst "auf Hochtouren" nach der Quelle. Das Ausmaß der Verseuchung in dem betroffenen Areal war zunächst unklar.

Im Naturschutzgebiet Boberger Niederung im Südosten Hamburgs waren an einer Böschung an einem Wanderweg bei einer Routineuntersuchung deutlich erhöhte Dioxinwerte gemessen worden. Der Grenzwert für Wohn- und Parkflächen war um das 700-Fache überschritten worden. Die Behörden sperrten ein etwa vier Hektar großes Gebiet ab, das nun untersucht wird. Auch Fische aus einem Angelteich werden geprüft.

Nach den bisherigen Erkenntnissen könnten die Rückstände des Gifts in den 60er Jahren in den Boden gelangt sein. Auf einem Luftbild von 1962 fanden sich Hinweise, dass in dem Bereich neben Bauschutt und Abraum illegal Industrieabfälle entsorgt worden sein könnten.

Aufgrund des chemischen "Fingerabdrucks" des Dioxins gehen die Behörden nach eigenen Angaben davon aus, dass es sich dabei um Abfallprodukte aus der Produktion bestimmter Pflanzenschutzmittel handelt. Auf Hamburger Gebiet seien diese nur in einem in den 80er Jahren geschlossenen Werk der Chemiekonzerns Boehringer produziert worden. Kontakt zu dem Unternehmen sei hergestellt.

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sprach von einem "schweren Umweltvergehen". Der Fundort werde derzeit genau untersucht, um das Ausmaß der Verseuchung festzustellen. Auch die Frage der "Verantwortung" werde zu prüfen sein. Für Anwohner des Gebiets soll es ein einigen Tagen eine Informationsveranstaltung geben.

Die Umweltschutzorganisation BUND forderte schnelle Aufklärung über Gefährdung und Hintergründe. Sollte die gesamte Verdachtsfläche von vier Hektar kontaminiert sein, könnten Entsorgungskosten von bis zu hundert Millionen Euro anfallen, teilte der Hamburger Landesverband am Donnerstag mit. Der Verursacher müsse unbedingt ermittelt werden.