Behörden in Tokio nehmen Abschied von der Diskette

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Seit Jahrzehnten nutzen Behörden in der japanischen Hauptstadt Tokio Disketten, um darauf wichtige Daten zu speichern und weiterzugeben – und das bis heute. Doch so langsam scheint das Ende der Floppy Disk nah zu sein.

In vielen Behörden von Tokio werden noch bis heute Daten auf Disketten gespeichert. (Symbobild: Getty Images)
In vielen Behörden von Tokio werden noch bis heute Daten auf Disketten gespeichert. (Symbobild: Getty Images)

Japan gilt ja allgemein hin als äußerst fortschrittliches Land, vor allem was technische Neuerungen angeht. Umso mehr verwundert nun eine Nachricht, die von Nikkei Asia veröffentlicht wurde.

Demnach sollen sich die Behörden verschiedener Bezirke in der japanischen Metropole Tokio dazu entschlossen haben, künftig keine Disketten mehr zu verwenden. Ja, richtig gelesen. Während man sich hierzulande darüber echauffiert, dass deutsche Behörden immer noch mit Faxgeräten arbeiten, setzen japanische Beamte noch bis heute auf die Nutzung von Floppy Disks zum Informationsaustausch, anstatt ihre Daten online zu speichern.

Noch heute werden in Tokio Finanzdaten auf Disketten gespeichert

So wurden beispielsweise im Bezirk Meguro-ku auch im Jahr 2021 Informationen zu Gehaltszahlungen von Angestellten ganz altmodisch auf Disketten gespeichert und diese dann zur Bank gebracht.

Dort wurden die Daten dann ausgelesen, verarbeitet und anschließend das Geld ausgezahlt. "Die Disketten gingen fast nie kaputt und es sind nie Daten verloren gegangen", erklärt ein Verantwortlicher des Bezirks.

Aber die Zeiten der Floppy Disk neigen sich nun auch in Tokio dem Ende entgegen. Noch in diesem Jahr will man im Bezirk Meguro-ku auf Onlineverwaltung umstellen.

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Auch im Verwaltungsbezirk Chiyoda-ku plant man künftig, sich von der veralteten Technologie der Diskette loszusagen und auf die Onlinespeicherung zu setzen. Allerdings will man sich dort noch ein paar Jahre Zeit lassen mit der technischen Revolution der Datenspeicherung. Der Bezirk Minato-ku ist da schon einen Schritt weiter, dort wurden die Disketten bereits im Jahr 2019 abgeschafft.

So ganz freiwillig scheint man sich in den Behörden von Tokio allerdings nicht von den Floppy Disks trennen zu wollen, vielmehr geschah und geschieht der Technologienwechsel auf finanziellen Druck hin.

So teilte die Mizuho Bank im Jahr 2019 dem Bezirk Meguro-ku mit, dass künftig pro Monat zusätzliche Bearbeitungsgebühren in Höhe von 50.000 Yen (umgerechnet etwa 380 Euro) anfallen würden, sollten die gelieferten Daten weiterhin auf physischen Medien, wie eben Disketten, verarbeitet werden müssen.

Bank verlangt nun Zusatzgebühren bei Datenlieferung per Diskette

Das Bankhaus begründete diesen Schritt damit, dass die notwendige Disketten-Hardware nicht mehr produziert wird und die Gebührenerhöhung dazu verwendet werde, die bisher vorhandene Infrastruktur intakt und am Laufen zu halten. Zudem soll der Bank zufolge eine Onlinespeicherung das Risiko von Datenverlusten minimieren.

Auch für die Bezirke und Behörden selbst sollte sich eine Umstellung von Disketten auf Onlinespeicherung langfristig finanziell lohnen. So müssen keine Mitarbeiter mehr mit den Disketten durch die Stadt geschickt werden.

An Nachschub von neuen Disketten soll es allerdings nicht mangeln. Wie Nikkei Asia berichtet, sollen die Behörden in Tokio noch ausreichend frische Floppy Disks auf Lager haben.

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