Beide Opfer des Doppelmords im Amazonasgebiet offiziell identifiziert

Nach den Morden an dem Journalisten Dom Phillips und dem Indigenen-Experten Bruno Pereira im brasilianischen Amazonasgebiet hat die Polizei die Identität beider Opfer offiziell bestätigt. Die Forensiker hätten die sterblichen Überreste von Philipps und Pereira eindeutig identifiziert, teilte die brasilianische Bundespolizei am Samstag mit. Beide wurden demnach mit Schusswaffen getötet. Indigenen-Vertreter kritisieren die Darstellung der Polizei, wonach keine kriminellen Banden hinter dem Doppelmord stecken sollen.

Den Polizei-Angaben zufolge wurde Pereira von drei Schüssen getroffen, darunter von einer Kugel in den Kopf. Phillips sei von einer Kugel in den Brustkorb getroffen worden.

Nach bereits zwei Festnahmen stellte sich ein dritter Verdächtiger am Samstag der Polizei in Atalaia do Norte, wie die Polizei mitteilte. Laut Beweisen und Zeugenaussagen sei er am Tatort gewesen und habe "aktiv an dem Doppelmord teilgenommen". Medienberichten zufolge sucht die Polizei nach einem vierten Verdächtigen.

Unterdessen wurden erhebliche Zweifel an den bisherigen offiziellen Ermittlungsergebnissen laut. Nach Angaben der brasilianischen Behörden sollen keine kriminellen Banden an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Indigenen-Vertreter widersprachen dieser Version.

Hinter der Tat steckten nicht allein zwei Mörder, sondern eine "mächtige kriminelle Gruppe, die das Verbrechen bis ins kleinste Detail geplant hatte", erklärte die Union der indigenen Völker des Javari-Tals (Unijava), die sich an der Suche nach den zwei zuerst  festgenommenen Männern beteiligt hatte. Die Behörden hätten zahlreiche Beschwerden über organisierte Banden in der Region ignoriert.

Auch die US-Regierung forderte eine gründliche Aufklärung der Hintergründe. Der Brite Phillips und der Brasilianer Pereira seien "ermordet worden, weil sie sich für den Schutz des Regenwaldes und der dort lebenden Menschen eingesetzt haben", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price. "Wir fordern Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit. Wir müssen gemeinsam die Anstrengungen zum Schutz von Umweltschützern und Journalisten verstärken."

Im Nachbarland Peru gingen am Samstag rund hundert Angehörige indigener Völker aus Empörung über den Doppelmord auf die Straße. Die Demonstranten in der Hauptstadt Lima trugen teilweise traditionelle Kleidung. "Das vergossene Blut wird nie vergessen werden", skandierten sie auf ihrem Marsch zum Justizministerium. Die Demonstranten forderten mehr Schutz natürlicher Ressourcen in indigenen Gebieten. Banner mit der Aufschrift "Schutz für Land, Wasser und Leben" wurden hochgehalten.

Phillips und Pereira waren am 5. Juni bei einer Exkursion im brasilianischen Amazonasgebiet verschwunden. Sie recherchierten im Javari-Tal für ein Buch über Gewalt gegen Indigene und  nachhaltigen Schutz des Regenwalds. Zehn Tage später führte ein Verdächtiger die Polizei zu einem Ort, wo er nach eigenen Angaben ihre Leichen vergraben hatte. Die dort gefundenen menschlichen Überreste wurden zur Identifizierung in die Hauptstadt Brasília gebracht.

Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro, den Kritiker für die Umweltzerstörung im Amazonas mitverantwortlich machen, hatte mit Äußerungen über die beiden Männer für Empörung gesorgt. So warf er Phillips vor, er habe "unvorsichtige" Reisen in Gegenden unternommen, in denen er nicht willkommen gewesen sei.

kbh/dja

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