Bekannte Autorin Erdogan in Istanbul von Terror-Vorwürfen freigesprochen

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Asli Erdogan im Jahr 2018

Die wegen Terrorvorwürfen in Istanbul angeklagte Schriftstellerin Asli Erdogan ist in allen Punkten freigesprochen worden. Die in Deutschland lebende Romanautorin sei der "Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung" sowie der "Zerstörung der nationalen Einheit" nicht schuldig, urteilten die Richter am Freitag. Das Gericht ordnete zudem die Einstellung eines Verfahrens wegen "Terrorpropaganda" gegen die bekannte Autorin an.

Die Urteilsverkündung fand in Abwesenheit Erdogans statt. Zwei weitere Angeklagte wurden ebenfalls freigesprochen, unter ihnen die Linguistin Necmiye Alpay.

Asli Erdogan hatte Kolumnen für die pro-kurdische Zeitung "Özgür Gündem" verfasst. Nach dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Juli 2016 wurde die Zeitung unter dem Vorwurf von Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geschlossen, mehrere Mitarbeiter wurden festgenommen. Asli Erdogan und anderen Angeklagten wurde vorgeworfen, durch ihre Mitarbeit bei "Özgür Gündem" die PKK unterstützt zu haben.

Asli Erdogans Festnahme 2016 hatte international Empörung ausgelöst. Sie verbrachte 130 Tage in Untersuchungshaft, bevor sie schließlich freigelassen wurde und ins Exil nach Deutschland ging.

In einer von ihrem Anwalt verlesenen Erklärung kritisierte Erdogan das Verfahren scharf. Sie sei auf der Grundlage "literarischer Texte" angeklagt worden und die Anschuldigungen gegen sie seien eine Verletzung der "Werte, auf denen das Gesetz und die Literatur beruhen". Zudem hätten ihre Kolumnen in "Özgür Gündem" keinerlei Gewalt enthalten. Ihr politischer Inhalt habe sich auf die Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen beschränkt, betonte Erdogan.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels begrüßte Erdogans Freispruch "von den haltlosen Vorwürfen". "Bei aller Freude steht ihr Schicksal aber auch dafür, welche tiefen Spuren die Qualen und Ängste in einem Menschen hinterlassen, der von einem totalitären Unrechtssystem verfolgt wird", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, in Frankfurt am Main.

Der Börsenverein hatte sich nach eigenen Angaben unter anderem mit einer Mahnwache für Erdogan eingesetzt. Mit Blick auf ihren Fall verurteilte Skipis "solche Willkürakte von Despoten" und forderte die Freilassung des türkischen Kulturmäzens Osman Kavala, für den die türkische Staatsanwaltschaft wegen eines angeblichen "Umsturzversuchs" lebenslange Haft fordert.

Asli Erdogan, die nicht mit dem gleichnamigen türkischen Staatschef verwandt ist, ist Autorin mehrerer auch in andere Sprachen übersetzter Romane. 2017 wurde sie mit dem Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ausgezeichnet.

Seit dem Putschversuch wurden in der Türkei etliche Medien geschlossen und Journalisten festgenommen. Die Türkei verschärfte zudem die Repressionen gegen Intellektuelle, Wissenschaftler und Aktivisten. Viele der Betroffenen flohen nach Deutschland. Zu den bekanntesten im Exil lebenden türkischen Intellektuellen zählt neben Asli Erdogan der frühere Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar.