Algerischer Demokratie-Aktivist Tabbou nach Polizeigewahrsam wieder frei

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Karim Tabbou

Der bekannte algerische Demokratie-Aktivist Karim Tabbou ist nach 24 Stunden in Gewahrsam gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der 47-jährige Tabbou, der als eine der Schlüsselfiguren der Protestbewegung "Hirak" gilt, wurde am Donnerstag einem Staatsanwalt in Algier vorgeführt und anschließend freigelassen, wie die Vereinigung zur Unterstützung politischer Gefangener (CNLD) am Abend mitteilte.

Tabbou war nach einer Vorladung am Mittwoch auf einer Polizeiwache erschienen. Hintergrund war eine Beschwerde, die der Präsident des nationalen Menschenrechtsrats (CNDH), Bouzid Lazhari, gegen den Aktivisten eingereicht hatte. Er soll Lazhari bei der Beerdigung eines Menschenrechtsaktivisten öffentlich angegriffen haben. Lazhari war bei der Beerdigung ausgebuht worden.

Tabbou gehört zu den prominentesten Vertretern der "Hirak"-Bewegung in dem nordafrikanischen Land. Im vergangenen Jahr war er zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Seit Ende Februar gehen Anhänger der Bewegung wieder jeden Freitag auf die Straßen. Zuvor waren die Demonstrationen wegen der Corona-Pandemie über Monate zum Erliegen gekommen.

2019 hatten die "Hirak"-Proteste zum Sturz des damaligen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika geführt. Die Demonstranten fordern eine komplette Neuausrichtung des politischen Systems, wie es nach der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich 1962 eingeführt worden war, sowie ein Ende der Dominanz der Armee.

Vor dem Hintergrund der wieder aufgeflammten Proteste hatte Präsident Abdelmadjid Tebboune im März eine vorgezogene Neuwahl am 12. Juni ausgerufen. Regulär hätte die Parlamentswahl in dem nordafrikanischen Land im kommenden Jahr stattfinden sollen. Tebboune, der unter Bouteflika Regierungschef gewesen war, war Ende 2019 in einer von der Opposition und der "Hirak"-Bewegung boykottierten Wahl zum Staatschef gewählt worden.

lan/bfi