Gefürchteter afghanischer Kriegsherr Dostum kehrt ins Land zurück

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Angesichts des Vormarsches der Taliban am Hindukusch ist der wegen seiner Brutalität gefürchtete Kriegsherr Abdul Raschid Dostum aus der Türkei nach Afghanistan zurückgekehrt. Dostum traf zu Gesprächen mit der Regierung in der Hauptstadt Kabul ein, wie sein Sprecher am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Thema sollte demnach die Sicherheit in der nördlichen Provinz Dschausdschan sein. Russland startete unterdessen an der tadschikisch-afghanischen Grenze gemeinsame Militärübungen mit Usbekistan und Tadschikistan.

Dostum wollte sich nach Angaben seines Sprechers auch mit Präsident Aschraf Ghani treffen. Offenbar hofft die Regierung in Kabul auf Hilfe durch Dostums Miliz, um die Taliban im Norden zurückzudrängen. Dem Warlord untersteht eine der größten Milizen im Norden. Dostum, ein ethnischer Usbeke, hat während der blutigen Konflikte der vergangenen Jahrzehnte immer wieder die Seiten gewechselt und war zeitweise auch Vizepräsident.

Dostums Miliz hatte in den neunziger Jahren die Taliban mit extremer Brutalität bekämpft. Zwischen 2014 und 2019 war Dostum Vizepräsident unter Ghani, mit dem er sich dann überwarf. Einen Großteil seiner Amtszeit als Vizepräsident verbrachte Dostum allerdings im Exil in der Türkei, weil ihm in Afghanistan ein Verfahren wegen Entführung, Misshandlung und Vergewaltigung drohte. Es wird vermutet, dass er in den vergangenen Monaten in der Türkei medizinisch behandelt wurde.

Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der Nato-Truppen toben in Afghanistan heftige Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Taliban. Die Islamisten haben bereits weite Teile des Landes erobert, zuletzt attackierten sie mehrere Provinzhauptstädte.

Besonders gravierend ist die Situation derzeit in Laschkar Gah, der Hauptstadt der südlichen Provinz Helmand. Nach UN-Angaben wurden dort in den vergangenen Tagen dutzende Zivilisten getötet. Zugleich sind die monatelangen Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban in Katars Hauptstadt Doha ins Stocken geraten.

Angesichts der Taliban-Offensive begannen am Donnerstag gemeinsame Übungen von insgesamt 2500 russischen, tadschikischen und usbekischen Soldaten, wie die russische Armee mitteilte. Die Übungen finden auf dem Militärgelände Charb-Maidon statt, das rund 20 Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt liegt. Sie sollen bis zum 10. August dauern.

Parallel dazu findet bereits seit Ende Juli in Südusbekistan im Grenzgebiet zu Afghanistan ein Manöver mit 1500 Soldaten der russischen und usbekischen Armee statt. Der russische Generalstabschef Waleri Guerassimow traf am Donnerstag im usbekischen Grenzgebiet zu Afghanistan ein, um die Übungen zu inspizieren.

Bei einem Treffen mit seinem usbekischen Amtskollegen sagte Guerassimow, dass die "größte Bedrohung für die zentralasiatische Region heute von der afghanischen Seite ausgeht". Der hastige Abzug der internationalen Truppen habe dort eine "Explosion der terroristischen Aktivitäten ausgelöst". Russland und Usbekistan müssten zusammen bereit sein, "sich den terroristischen Banden zu widersetzen".

Die EU verurteilte die jüngsten Angriffe der Taliban und forderte eine "umfassende und dauerhafte" Waffenruhe. "Die Militäroffensive der Taliban steht in direktem Widerspruch zu ihrem erklärten Engagement für eine Verhandlungslösung des Konflikts", erklärten der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und der Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarcic.

Die Taliban verstießen gegen das Völkerrecht und die Menschenrechte unter anderem durch "willkürliche und außergerichtliche Tötungen von Zivilisten, öffentliche Auspeitschungen von Frauen und die Zerstörung der Infrastruktur", betonten die EU-Spitzenvertreter. Sie forderten eine Untersuchung der mutmaßlich als Kriegsverbrechen einzustufenden Handlungen.

Der UN-Sicherheitsrat will sich am Freitag mit der Eskalation der Kämpfe in Afghanistan befassen. Nach Angaben von Diplomaten wurde die Sitzung von Afghanistan zusammen mit Estland und Norwegen beantragt.

dja/cp

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