Aufwändige Bergungsaktion für südkoreanisches Schiffswrack begonnen

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Die Bergungsarbeiten vor der Küste der Insel Donggeochado

Fast drei Jahre ist es her, dass die südkoreanische Fähre "Sewol" kenterte und 304 Menschen in den Tod riss - am Donnerstag tauchte das rostige Wrack wieder aus den Fluten auf, angehoben von zwei riesigen Frachtkähnen. Fernsehsender zeigten Bilder von dem Rumpf des etwa 6800 Tonnen schweren Schiffs, dessen aufwändige Bergung vor der Insel Jindo begonnen hat.

Die überladene "Sewol" war am 16. April 2014 vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. Von den 476 Menschen an Bord kamen 304 ums Leben, darunter 250 Schüler. Hauptgrund war menschliches Versagen. Neun Tote konnten bislang nicht geborgen werden, sie könnten sich in dem Schiffswrack befinden.

Bis Donnerstagnachmittag ragte die "Sewol" 8,50 Meter aus dem Wasser, wie das Ministerium für Maritime Angelegenheiten mitteilte. Sobald es 13 Meter über der Wasseroberfläche ist, soll eine Art Tauchboot unter das Schiff gleiten, um es vollständig hochzuhieven.

Wenn Wasser und Treibstoff abgeflossen sind, wird die "Sewol" in den rund 87 Kilometer entfernten Hafen von Mokpo gebracht. Dort soll die Fähre im Trockendock durchsucht werden.

Es werde vermutlich bis zu 13 Tage dauern, bis das Wrack im Hafen sei, sagte der für die Bergung zuständige Ministeriumsmitarbeiter Lee Cheol Jo. An der Aktion sind rund 450 Helfer rund um die Uhr beteiligt. Die Kosten werden auf umgerechnet rund 84 Millionen Euro geschätzt.

Die Bergung der "Sewol" war eine Hauptforderung der Hinterbliebenen, deren Angehörige noch nicht gefunden wurden. Mehrere verzweifelte Eltern verfolgten die Arbeiten von einem Boot in der Nähe aus. Die "Sewol" wieder zu sehen, sei unbeschreiblich für sie, sagte Huh Hong Hwan, dessen 16-jährige Tochter bei dem Untergang der Fähre ums Leben gekommen war. Ihr Leichnam wurde bis heute nicht gefunden.

Die in Tränen aufgelöste Lee Keum Hui sagte, "es bricht mir das Herz, das Schiff an die Oberfläche aufsteigen zu sehen". "Meine Tochter ist seit so vielen Jahren an diesem schmutzigen und dunklen Ort gefangen." Seit dem Unglück lebt Lee wie viele andere Opfer-Angehörige in Baracken in Paengmok, dem nächstgelegenen Hafen.

Die ursprünglich für vergangenes Jahr geplante Bergung war wegen schlechten Wetters mehrmals verschoben worden. Die Behörden hatten unter anderem befürchtet, dass das 145 Meter lange Wrack auseinanderbrechen könnte.

Ein Jahr nach dem Untergang der "Sewol" hatte ein Berufungsgericht den Kapitän Lee Jun Seok zu lebenslanger Haft verurteilt. Lee und der größte Teil der Besatzung hatten das Unglück überlebt, unter anderem weil sie zu den ersten gehörten, die das Schiff verließen, während hunderte Passagiere im Inneren feststeckten.

Das Drama überschattete auch die Amtszeit der jüngst entmachteten südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye. Unter anderem steht die Frage im Raum, warum es damals sieben Stunden dauerte, bevor Park nach dem Unglück an einer Regierungssitzung teilnahm. Es gibt teils wüste Spekulationen, wonach sie von einem romantischen Stelldichein oder einer Schönheitsoperation abgehalten worden sei, sich früher einzuschalten.

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