Bundesanwaltschaft klagt acht Männer als Mitglieder von "Revolution Chemnitz" an

Angeklagter wird in vergangenem Jahr abgeführt

Wegen Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen acht Mitglieder der Gruppe "Revolution Chemnitz" erhoben. Die rechtsextremistisch und bisweilen offen nationalsozialistisch gesinnten Angeschuldigten hätten den Ermittlungsergebnissen zufolge ein "revolutionäres", auf die Überwindung des demokratischen Rechtsstaates gerichtetes Ziel verfolgt, teilte die Behörde am Freitag mit. Dazu hätten sie gewalttätige Angriffe und bewaffnete Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende verüben wollen.

Laut Bundesanwaltschaft gehören die acht Angeschuldigten im Alter zwischen 21 und 31 Jahren der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz an und verstanden sich als führend in der rechtsextremistischen Szene Sachsens. Zu der Gruppierung "Revolution Chemnitz" sollen sie sich spätestens am 10. September vergangenen Jahres zusammengeschlossen haben.

Dabei soll der 31-jährige Christian K. Rädelsführer der Gruppe gewesen sein - er soll die zentrale Führungsposition übernommen, die Ausrichtung der Gruppierung bestimmt und die weiteren Planungen koordiniert haben. Als ihre Gegner hätten die Gruppenmitglieder auch Vertreter des politischen Parteienspektrums und Angehörige des sogenannten gesellschaftlichen Establishments angesehen.

Vor diesem Hintergrund sollen sie Anstrengungen unternommen haben, sich halbautomatische Schusswaffen zu verschaffen. Die "Revolution" wollten sie nach Erkenntnissen der Ermittler mit einem "symbolträchtigen Geschehen" am 3. Oktober 2018, dem Tag der Deutschen Einheit, einleiten.

Für diesen Auftakt einer "Systemwende" nahmen die Männer laut Bundesanwaltschaft am 14. September 2018 einen sogenannten "Probelauf" vor, wobei auf den Einsatz tödlicher Waffen ausdrücklich noch verzichtet werden sollte. Dazu sollen fünf der Angeschuldigten bewaffnet mit Glasflaschen und Quarzhandschuhen gemeinsam mit weiteren gewaltbereiten Anhängern anderer rechtsextremer Gruppen die Schlossteichinsel in Chemnitz aufgesucht haben.

Dort hatten sie den Ermittlern zufolge Anhänger der Antifa erwartet, gegen die sie vorgehen wollten. Nach einem Körperverletzungsdelikt bereits auf dem Weg zur Schlossteichinsel traf die Gruppe demnach an ihrem Zielort zunächst auf etwa 20 Jugendliche, die dort Geburtstag feierten. Laut Anklage kreisten die Täter die jungen Leute ein und verfolgten, stießen und schubsten einzelne der eingeschüchterten Jugendlichen.

Anschließend soll die Gruppe um die fünf Angeschuldigten mehrere Ausländer angegriffen haben, wobei eines der Opfer durch einen Flaschenwurf am Hinterkopf verletzt wurde. Alle acht Angeschuldigten sitzen in U-Haft - der mutmaßliche Rädelsführer Christian K. war bereits am 14. September 2018 von der Staatsanwaltschaft Chemnitz, die übrigen sieben Männer am 1. Oktober 2018 auf Veranlassung der Bundesanwaltschaft festgenommen worden.

Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet nun das Oberlandesgericht Dresden.