Bericht: Expertenteam legt Konzept für Lockerung der Corona-Maßnahmen vor

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Frau mit Maske in Berlin
Frau mit Maske in Berlin

Die Debatte um die Lockerung der Corona-Maßnahmen nimmt an Fahrt auf. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat ein Experten-Konzept für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen vorgelegt, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") berichtete, der das Experten-Papier vorliegt. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach sich für eine generelle Maskenpflicht bei einer Lockerung der Corona-Maßnahmen aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch über die nächste Phase des Kampfs gegen das neuartige Coronavirus beraten. Dann soll es auch um die Frage gehen, wie es mit den bislang bis zum 19. April befristeten Kontaktbeschränkungen und weiteren Maßnahmen weitergeht.

Einen Beitrag zu dieser Debatte lieferte Laschet mit dem Konzept einer von ihm eingesetzten Expertengruppe. Darin heißt es, über Lockerungen könne erst nachgedacht werden, wenn klar sei, dass das Gesundheitssystem "absehbar nicht überfordert ist" und Voraussetzungen für ein besseres "Monitoring" der Krise geschaffen seien, wie die "FAS" berichtete. Dann aber könne die Rückkehr zur Normalität "schrittweise forciert werden".

Dem Expertenteam gehören demnach unter anderem der Virologe Hendrik Streeck, der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio und der frühere Vorsitzende der "Wirtschaftsweisen" Christoph Schmidt an. Laschet nannte die Vorschläge der Experten "transparent" und "nachvollziehbar".

Zuerst Schulen und Einzelhandel

Die Experten schlagen laut "FAS" vor, "einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens nach und nach wieder zuzulassen". Dazu gehörten Schulen, Universitäten und der Einzelhandel. Bei den Schulen solle es dabei zeitversetzten Unterricht und Unterschiede nach dem Alter geben. In Kitas und im "Präsenzunterricht" sollen zuerst vor allem Lehrkräfte arbeiten, die nicht zu Risikogruppen gehören.

Für die Wirtschaft stellen die Fachleute demnach Reihenfolgen auf. Läden sollen früher öffnen als Diskotheken, in Restaurants sollen Tische weit auseinander stehen, und nur wenige Gäste zugelassen werden. Fußballspiele, Messen und Kongresse müssten dagegen noch länger verboten bleiben. Auch Atemmasken für alle werden empfohlen.

Vier Kriterien

Die konkreten Schritte und die Geschwindigkeit der Lockerung sollen sich demnach an vier Kriterien orientieren. Zunächst müsse bestimmt werden, wo die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch sei und wo weniger. Zweitens gelte die Frage: "Für wen wäre eine Ansteckung besonders gefährlich?" Diese Gruppen müssten weiter besonders geschützt werden. Drittens komme es darauf an, was "für Wirtschaft und Gesellschaft besonders wichtig" sei. Zuletzt schließlich müsse bedacht werden, wie gut sich im jeweiligen Bereich Schutzmaßnahmen umsetzen ließen.

Die Experten warnten laut "FAS" allerdings auch vor verfrühtem Optimismus. "Es wird Rückschritte geben", schreiben sie. "Wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederholt mit einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen konfrontiert werden. Es kann neue kleinere und vielleicht auch größere Infektionswellen geben." Dann könne es nötig werden "dass wir Schritte wieder zurückgehen".

Mundschutzpflicht als Voraussetzung

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig verknüpfte eine Lockerung der Maßnahmen an eine generelle Maskenpflicht. "Wir werden das öffentliche Leben nur schrittweise hochfahren können. Und wir brauchen zusätzliche Maßnahmen wie Mundschutz für alle", sagte Schwesig der "Bild am Sonntag".

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) machte flächendeckende Corona-Tests zur Bedingung für Lockerungen. "Nach Ostern müssen wir darangehen, das Leben und Arbeiten wieder hochzufahren. Wir brauchen koordinierte, großflächige Testungen. Lockern ist verbunden mit testen, testen, testen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) warnte indes vor weitgehenden Lockerungen. "Ich höre die Rufe nach einer Exit-Strategie mit Sorge. Mehr Begegnungen bedeutet automatisch eine Zunahme der Infektionen. Es wäre schlimm, wenn der große Erfolg, dass vergleichsweise sehr wenige Menschen gestorben sind, jetzt leichtfertig auf Spiel gesetzt wird", sagte er der "Bild am Sonntag".