Bericht: Fillon bezahlte Ehefrau noch früher als bekannt aus der Staatskasse

Präsidentschaftskandidat Fillon

Weniger als zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich gibt es neue Enthüllungen in der Scheinbeschäftigungsaffäre um den konservativen Kandidaten François Fillon: Der 63-Jährige bezahlte seine Ehefrau Penelope einem Medienbericht zufolge noch früher als bislang bekannt aus der Staatskasse.

Das Enthüllungsportal "Mediapart" berichtete am Montagabend, als junger Abgeordneter habe Fillon seine Ehefrau schon ab 1982 als parlamentarische Referentin bezahlt. Dabei sei es unter anderem um Gutachten gegangen.

Der Präsidentschaftskandidat gibt seit Wochen an, seine Frau erst ab 1986 als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt zu haben. Ursprünglich hatte er sogar gesagt, sie erst 1997 eingestellt zu haben - vorher habe sie lediglich ehrenamtlich und unentgeltlich für ihn gearbeitet.

Fillons Anwalt Antonin Lévy bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Montagabend, dass Ermittler bei einer Durchsuchung der Nationalversammlung ältere Gutachter-Verträge beschlagnahmt hätten. "Derzeit interessieren diese Elemente die Justiz nicht."

Fillon selbst wollte die neuen Enthüllungen am Dienstag nicht kommentieren. "Ich werde nie wieder ein Wort über diese Fragen sagen", betonte er im Sender France 2. Die Vorgänge lägen "36 Jahre" zurück - und würden nun "zehn Tage vor der Wahl" wieder hervorgeholt.

Der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Fillon ist durch die Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau und zwei seiner Kinder massiv unter Druck geraten. Die Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Staatsgeldern eingeleitet. Fillon hat den Vorwurf der Scheinbeschäftigung wiederholt zurückgewiesen und spricht von einer Schmutzkampagne, für die er die sozialistische Regierung verantwortlich macht.

In Umfragen liegt der frühere Premierminister mit deutlichem Abstand hinter dem parteilosen Mitte-Kandidaten Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen und würde damit bereits in der ersten Wahlrunde am 23. April scheitern. Inzwischen macht ihm der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon sogar den dritten Platz streitig.

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