Kriminalität in Deutschland insgesamt rückläufig

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) (AFP/John MACDOUGALL)

In Deutschland sind in den vergangenen Jahren weniger Verbrechen begangen worden. Im Zeitraum von 2005 bis 2019 sei die Zahl der erfassten Kriminaltaten um 15 Prozent gesunken, heißt es in dem am Freitag vorgelegten "Periodischen Sicherheitsbericht" der Bundesregierung. Beeinflusst sei der Rückgang vor allem durch die sinkende Zahl von Eigentums- und Vermögensdelikten. Auch die Zahl schwerer Gewalttaten ging zurück. Größte Gruppe unter den Tatverdächtigen waren Männer mit deutschem Pass.

Sorgen bereitet den Behörden die politisch motivierte Kriminalität von rechts: Seit 2015 seien jährlich mehr als 20.000 Straftaten registriert worden, heißt es in der vom Bundesinnenministerium vorgelegten Analyse. Stark zugenommen habe dabei die rechtsmotivierte Hasskriminalität im Internet. Auch der Anteil der polizeilich registrierten, antisemitisch motivierten Straftaten sei "kontinuierlich gestiegen". Einen weiteren Anstieg verzeichnete der Bericht im Bereich Cyberkriminalität.

Bei den Hasstaten im Internet vermutet der Bericht eine große Dunkelziffer, weil "die meisten Vorfälle nicht zur Anzeige gebracht" würden. Einen besonders starken Anstieg rechter Hasskriminalität im Netz sei ab dem Jahr 2015 registriert worden, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. "Rechtsextremismus gilt derzeit als eine der größten Bedrohungen für die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland", resümiert die Analyse.

Verschiebungen gab es beim Profil der Tatverdächtigen: Zwischen 2009 und 2019 sei der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen von 21,1 auf 34,6 Prozent gestiegen. Insgesamt hält der Bericht zu den Verdächtigen fest: "Am häufigsten wurden erwachsene männliche Deutsche registriert."

Große alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede dokumentiert die Analyse bei den Opfern von Straftaten. So waren beispielsweise Männer mehr als doppelt so stark gefährdet, Opfer eines Raubdelikts zu werden, wie Frauen. Bei Sexualstraftaten waren hingegen die allermeisten Opfer Frauen.

Parallel zum Rückgang der Straftaten nahm auch die Zahl der einschlägigen Verurteilungen vor Gericht ab. Besonders deutlich sei dies bei "männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden" zu beobachten gewesen: Die Zahl der Verurteilten habe sich hier zwischen 2007 und 2019 halbiert.

Die Berichtsautoren wiesen zudem auf Anzeichen hin, dass sich die Corona-Pandemie auf die Gewaltkriminalität ausgewirkt haben könnte: "Seit 2020 kam es zu einem Rückgang der Gewalt im öffentlichen Raum, während die bereits verfügbaren Daten eine Zunahme der Gewalt im nicht öffentlichen Raum - zum Beispiel im familiären Umfeld - nahelegen."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte sich im Grundsatz erfreut über die Entwicklung der Kriminalitätsstatistik. "Deutschland ist eines der sichersten Länder dieser Welt", sagte er den Funke-Zeitungen vom Freitag. So verzeichnet Deutschland etwa im internationalen Vergleich eine besonders niedrige Anzahl vorsätzlicher Tötungen. "Aber Sicherheit ist eine Daueraufgabe, für die wir jeden Tag aufs Neue hart arbeiteten müssen", sagte der Minister.

Der Periodische Sicherheitsbericht ist eine Langfrist-Untersuchung, die über die regelmäßig veröffentlichten Polizeistatistiken hinausgeht. Sie enthalte "tiefer gehende Analysen" als die üblichen Statistiken, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Erstellt wird sie von Experten bei Polizei und Justiz.

pw/cha

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