Lage in den Kliniken in Ost- und Süddeutschland spitzt sich zu

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Covid-19-Station in Magdeburg (AFP/Ronny Hartmann)

Aufgrund der stark steigenden Corona-Infektionszahlen spitzt sich die Lage in den Kliniken im Süden und Osten Deutschlands zu. In Bayern und Baden-Württemberg würden bereits "täglich Verlegungen zwischen Krankenhäusern zum Ausgleich und zum Erhalt der Funktionsfähigkeit durchgeführt", berichteten am Samstag die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch die Lage in Sachsen und Thüringen sei alarmierend. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreichte den sechsten Tag in Folge einen neuen Höchststand.

Die Funke-Zeitungen zitierten aus einem vertraulichen Bericht der Länder. Demnach werde es auch in Hessen immer schwieriger, Patienten auf den Intensivstationen unterzubringen. Im Norden gebe es noch Kapazitäten, im Süden seien sie praktisch aufgebraucht.

Um die Kliniken in Corona-Hochinzidenzgebieten zu entlasten, ziehen die Länder dem Bericht zufolge erstmals deutschlandweite Verlegungen von Patienten in Betracht: So sei in Baden-Württemberg bereits erwogen worden, Patienten über 700 Kilometer nach Schleswig-Holstein zu verlegen. In Bayern seien Patienten zum Teil rund 400 Kilometer weit aus dem südöstlichen Landesteil nach Würzburg im Norden verlegt worden.

Intensivmediziner-Präsident Gernot Marx bestätigte eine "echte Notsituation" vieler Kliniken. "Wegen der Erfahrungen der vorangegangenen Wellen gehen wir fest davon aus, dass schon bald Patienten wieder aus Corona-Hotspots in Kliniken außerhalb verlegt werden müssen", sagte der Chef der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Wir sind jetzt schon in einer kritischeren Phase, weil wir aufgrund der erschöpften und ausgebrannten Pflegekräfte, die den Job hingeworfen oder ihre Arbeitszeit reduziert haben, 4000 Intensivbetten weniger belegen können als vor einem Jahr", führte Marx aus.

Die Bundeswehr bereitet sich laut "Spiegel" bereits auf eine bundesweite Corona-Notlage vor. Der zuständige Generalleutnant wolle bis zu 12.000 Soldaten und Soldatinnen zur Unterstützung der überlasteten Kliniken und Gesundheitsämter mobilisieren, berichtete das Magazin. Zudem sollen uniformierte Helfer demnach bei den Auffrischungsimpfungen und der Ausweitung von Schnelltests vor Pflegeheimen und Hospitälern bereitstehen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte AFP, die aktuelle Entwicklung der Infektionslage führe auch zu einem Anstieg der Amtshilfeanträge.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnte in der "Bild"-Zeitung vor erneuten Schulschließungen. Mittlerweile seien knapp 100.000 Schüler in Quarantäne. Es drohe ein "Kontrollverlust".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die Menschen in Deutschland abermals dringend auf, sich impfen zu lassen. Bei den Auffrischungsimpfungen sei zudem eine "nationale Kraftanstrengung" erforderlich, sagte sie in ihrem wöchentlichen Podcast.

Merkel berät am Donnerstag mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder über die Corona-Lage. Sie forderte ein einheitliches Vorgehen. Bund und Länder müssten etwa beim Hospitalisierungswert "sehr schnell" einen Schwellenwert festlegen, ab dem zusätzliche Schritte eingeleitet werden müssten. Der Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen. Er gilt als wichtiger Gradmesser für die Pandemielage.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen steigt seit mehr als einer Woche sehr stark an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Samstagmorgen stieg der Wert auf 277,4 und erreichte damit den sechsten Tag in Folge einen neuen Höchststand.

ilo/dja

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