Bericht: Weite Teile der syrischen Provinz Idlib durch Kämpfe unbewohnbar

In Idlib entstehen immer größere Flüchtlingslager

Durch die Kämpfe im Nordwesten Syriens sind weite Teile der Region unbewohnbar geworden. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Humanitarian Initiative der Harvard-Universität sowie der Hilfsorganisationen Save the Children und World Vision hervor. Knapp ein Drittel der Gebäude zweier Frontstädte in der umkämpften Region Idlib seien beschädigt oder zerstört worden. Eine Rückkehr der Bewohner sei damit nahezu unmöglich, hieß es in einer Mitteilung zu dem Bericht.

Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad haben mit russischer Unterstützung im Dezember eine Offensive gegen die letzte Hochburg islamistischer und dschihadistischer Milizen in Idlib gestartet. Knapp eine Million Menschen sind nach UN-Angaben seitdem vor den Gefechten ins syrisch-türkische Grenzgebiet geflüchtet - so viele wie noch nie in dem seit neun Jahren andauernden Konflikt. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Noch immer leben rund drei Millionen Menschen in der Provinz Idlib, viele von ihnen unter katastrophalen Bedingungen.

Für ihren Bericht werteten die Wissenschaftler Satellitenbilder der Region Idlib, die zwischen 2017 und Februar 2020 aufgenommen wurden. Zivilisten werden demnach in immer kleinere Gebiete gedrängt. Innerhalb weniger Monate wurden Dörfer und Städte sowie wichtige Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser zerstört. Auf ehemaligem Ackerland entstanden immer größer werdende Flüchtlingslager.

Aus einem am Montag veröffentlichten Bericht einer UN-Untersuchungskommission geht hervor, dass die syrischen Regierungsstreitkräfte gezielt zivile Infrastruktur angriffen, um die Bevölkerung zu vertreiben und die militärische Eroberung der Gebiete zu erleichtern.

"Die Bombenangriffe haben innerhalb weniger Wochen weite Teile von Idlib fast vollständig leergefegt, mit katastrophalen Folgen für hunderttausende Kinder und Frauen", erklärte die Landesdirektorin von Save the Children für Syrien, Sonia Khush. "Wenn es keine deutliche Deeskalation gibt, könnte das zehnte Jahr dieses Konflikts eines der blutigsten sein."