Zahl der Anträge für Cannabis auf Rezept steigt an

Immer mehr Patienten wollen Cannabis auf Rezept. 2019 gingen bei der Barmer 6094 Anträge ein, wie aus am Freitag veröffentlichten Zahlen der Krankenkasse hervorgeht. 2018 waren es noch 5238 Anträge. Insgesamt seien seit der Freigabe von Cannabis auf Rezept im März 2017 knapp 15.000 Anträge gestellt worden, hieß es weiter. Mehr als zwei Drittel davon wurden bewilligt.

Dabei würden die meisten Anträge in Bayern und die zweitmeisten in Nordrhein-Westfalen gestellt. In Bayern gäbe es so viele Cannabisverordnungen, weil es an der Universität München seit Mitte der 90er Jahre einen Forschungsschwerpunkt gebe. Daher seien Ärzte erfahren mit der Formulierung der Anträge.

Seit März 2017 erhielten Barmer-Versicherte nach Angaben der Krankenkasse fast 83.000 Packungen cannabishaltiger Präparate im Wert von etwa 35,3 Millionen Euro. Darunter waren knapp 20.000 Packungen unverarbeiteter Cannabisblüten.

"Die Nachfrage nach Cannabisblüten ist so hoch, dass es mitunter zu Lieferengpässen kommen kann", erklärte Barmer-Medizinerin Ursula Marschall. Durch unterschiedliche Wirkstoffmengen seien sie jedoch schwer dosierbar, ihr Einsatz sei problematisch.

Marschall sagte der "Rheinischen Post" vom Freitag, die Krankenkasse hätte erwartet, dass vor allem die Alt-68er dem Verschreiben von Cannabis positiv gegenüberstünden. Demnach stellen die 50- bis 59-Jährigen mit 30 Prozent zwar eine große Gruppe derjenigen, bei denen Cannabis verordnet wird. Mit 21 Prozent entfällt aber auch ein hoher Anteil auf die 60- bis 69-Jährigen. 27,7 Prozent entfielen auf Patienten, die jünger als 30 Jahre sind.

Richtig eingesetzt könne Cannabis "für schwerkranke Patientinnen und Patienten eine wertvolle Therapieoption sein", hieß es von der Barmer. Dennoch sei es kein "Allheilmittel". Marschall empfahl, Cannabis nur von Ärzten verschreiben zu lassen, "die sich mit der kompletten therapeutischen Breite des Medikaments und seinen verschiedenen Inhaltsstoffen auskennen".

Nach einer Gesetzesänderung können Ärzte Cannabis seit dem Frühjahr 2017 schwerkranken Patienten verordnen, denen nicht mehr anders geholfen werden kann. Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, bei grünem Star zur Reduzierung des Augeninnendrucks oder beim Tourettesyndrom eingesetzt. Verwendet werden Cannabisextrakte, Cannabisblüten oder einzelne Cannabinoide - das sind Mittel auf Cannabisbasis.