Bericht: Ölpipeline vor Kaliforniens Küste womöglich durch Anker beschädigt

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Spezialschiffe bei der Ölbeseitigung (AFP/Patrick T. FALLON)

Die Ölpest an der kalifornischen Küste ist möglicherweise durch einen Schiffsanker ausgelöst worden, der eine Pipeline beschädigte. Wie die Zeitung "Los Angeles Times" am Dienstag berichtete, prüft die US-Küstenwache, ob ein großes Handelsschiff an der falschen Stelle ankerte und die Ölpipeline erfasste. Ein Teil der Leitung wurde demnach am Meeresgrund verschoben. Außerdem wurde ein etwa 30 Zentimeter langer Riss in der Rohrleitung entdeckt.

"Man hat an der Ölleitung gezogen wie an einer Bogensehne", sagte Martyn Willsher, Chef des texanischen Ölkonzerns Amplify Energy, welcher die Pipeline und mehrere Bohrinseln vor der Küste von Los Angeles betreibt. Seinen Angaben zufolge wurden rund 1200 Meter Rohrleitung verschoben. Dort, wo das Öl mutmaßlich ausgetreten sei, sei die Leitung "um bis zu 30 Meter" verschoben worden.

Willsher wollte sich nicht zur Ursache der Schäden äußern - auch nicht zu der Möglichkeit, dass diese auf einen Anker zurückzuführen seien. "Es handelt sich um Stahlrohre mit 40 Zentimetern Durchmesser und einer 2,5 Zentimeter dicken Betonummantelung. Es passiert nicht jeden Tag, dass sie sich um 30 Meter verschieben", sagte er vor Journalisten.

Die Häfen von Los Angeles und Long Beach gehören zu den bedeutendsten der Welt. Wie in anderen Häfen gibt es dort derzeit wegen der Corona-Pandemie erhebliche Verzögerungen. Zahlreiche Frachter und Containerschiffe müssen vor der Küste ankern und warten, bevor sie in die Häfen einlaufen können.

Die Schiffe bekommen genaue Ankerplätze zugewiesen, die normalerweise weit genug von Hindernissen wie Pipelines entfernt sind. Die "Los Angeles Times" berichtete nun aber unter Berufung auf Ermittlungskreise, möglicherweise habe ein an der falschen Stelle ausgebrachter Anker die Pipeline über den Meeresboden gezogen.

Das Öl breitet sich nach Angaben der Küstenwache seit Samstagmorgen aus. Am stärksten betroffen ist die Küstenstadt Huntington Beach südlich von Los Angeles. An einem 24 Kilometer langen Küstenstreifen zwischen Huntington Beach und Laguna Beach wurden Strände für Spaziergänger, Surfer und Schwimmer gesperrt.

Seit Sonntag sind 14 Spezialschiffe im Einsatz, die bis Dienstag rund 18.000 Liter Öl absaugen konnten. Schwimmende Barrieren sollen das Öl von der Küste fernhalten.

Wie viel Rohöl genau aus der Pipeline ausgelaufen sind, ist nach Angaben der Küstenwache noch unklar. Mehr als 500.000 Liter seien es aber nicht, sagte Rebecca Ore von der kalifornischen Küstenwache.

Mindestens acht ölverschmierte Vögel wurde bisher an der Küste gefunden. Experten warnen aber, dass die Umweltschäden noch weitaus größer sein könnten, weil das Ausmaß einer Ölpest oft erst nach Tagen oder Wochen sichtbar wird.

Das Erdöl trat nahe einer 1980 gebauten Förderplattform mit dem Namen Elly an die Meeresoberfläche. Es handelt sich um eine von 23 Erdöl- und Erdgas-Bohrinseln in Bundesgewässern vor der Küste Kaliforniens. Umweltschützer warnen schon seit langem, dass alte und schlecht gewartete Bohrinseln eine Gefahr für die Natur darstellen.

mid/ju

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