Früherer US-Notenbankchef Paul Volcker im Alter von 92 Jahren gestorben

Volcker im Jahr 2010

Er bekämpfte ab Ende der 70er-Jahre die Inflation und stand nach der Finanzkrise von 2008 Pate für strengere Regeln für die Wall Street: Im Alter von 92 Jahren ist der frühere US-Notenbankchef Paul Volcker gestorben. Er starb am Sonntag bei sich zu Hause in New York an den Folgen von Prostatakrebs, wie seine Tochter am Montag der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Der hochgewachsene Nachfahre deutscher Einwanderer hatte die US-Notenbank Fed zwischen 1979 und 1987 geführt. US-Präsident Jimmy Carter holte den Ökonomen inmitten der schweren Wirtschaftskrise im Zuge des Öl-Schocks an die Spitze der Fed. Damals betrug die Inflation 13 Prozent. Volcker reagierte mit harter Hand und hob die Leitzinsen von elf auf 20 Prozent an. Zum Vergleich: Heute liegen sie unter zwei Prozent.

Die Zentralbank konnte die Inflation so unter Kontrolle bekommen und auf drei Prozent drücken - allerdings zum Preis einer Rezession. Volcker wurde dafür angefeindet, blieb aber bei seiner Linie.

1987 verließ er die Fed und wurde später Chef der Investmentbank Wolfensohn & Co. Nach der Finanzkrise 2008 holte der damalige Präsident Barack Obama Volcker als Berater. Nach ihm ist die Volcker-Regel benannt, ein Kernstück von Obamas Finanzmarkt-Reformen, die strenge Regeln für Geschäftsbanken bei riskanten Spekulationsgeschäften einführte. Die Regeln wurden unter Präsident Donald Trump aber wieder aufgeweicht.

Der 1927 in Cape May im Bundesstaat New Jersey geborene Volcker war zwei Mal verheiratet. Zwölf Jahre nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Barbara, mit der er zwei Kinder hatte, heiratete er 2010 seine langjährige Assistentin. Volcker war damals 83 Jahre alt.

Der Tod des früheren Zentralbankchefs löste am Montag Bestürzung aus. Der jetzige Fed-Chef Jerome Powell würdigte Volckers "Integrität, Mut und Engagement". Ex-Präsident Obama erklärte, Volckers "visionäre Führung" habe in den 70er und 80er-Jahren dazu geführt, dass die Inflation unter Kontrolle gebracht worden sei. Nach der Finanzkrise von 2008 habe er daran mitgewirkt, eine solche Krise in der Zukunft zu verhindern.

Ex-Präsident Carter bezeichnete Volcker als "Giganten des öffentlichen Dienstes". "Paul war so starrköpfig wie hochgewachsen. Und obwohl einige seiner Entscheidungen als Fed-Chef hohe politische Kosten hatten, waren sie richtig."