Prävention gefordert: Antisemitismus an Berliner Schulen ist kein Einzelfall

Nach dem Übergriff auf einen jüdischen Schüler in Friedenau fordern Experten mehr Prävention. Viele Fälle werden nicht gemeldet.

Ein jüdischer Junge wird von seinen türkisch- und arabischstämmigen Mitschülern beleidigt und angegriffen – wegen seines Glaubens. Dass so etwas im Jahr 2017 in Berlin passiert, wundert Ahmad Mansour nicht. "Der Vorfall ist auch in dieser Heftigkeit kein Einzelfall", sagt der Islamexperte im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) gab es 2016 an Berliner Schulen 13 antisemitische Vorfälle. Dies seien jedoch nur jene, von denen die RIAS Kenntnis habe. Viele würden von den Betroffenen nicht einmal gemeldet. Gerade unter jugendlichen Muslimen sei Antisemitismus weitverbreitet, sagt Diplom-Psychologe Mansour. Halbwahrheiten über den Nahostkonflikt würden die Wut auf Juden schüren. "Die Komplexität der Welt überfordert die Jugendlichen. Deshalb teilen sie ihre Welt einfach in Freund und Feind ein."

So war es auch im Fall des 14-Jährigen in Friedenau: Nachdem er in der Klasse seinen jüdischen Glauben offenbarte, wandten sich Mitschüler ab, sagte die Mutter des Opfers dem "Jewish Chronicle", der zuerst darüber berichtete. "Du bist eigentlich ein cooler Typ, aber ich kann mit dir nicht befreundet sein – alle Juden sind Mörder", habe einer gemeint, sagte sie. Ihr Sohn sei sogar körperlich angegriffen und bedroht worden. Daraufhin meldeten die Eltern ihren Jungen von der Schule ab.

"Bei Antisemitismus gibt es einfach kein Problembewusstsein"

Den jugendlichen Tätern droht nun der Schulverweis. Damit allein hat sich der Fall für...

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