Berlin: Wie immer mehr Berliner den Gesang entdecken

Statt ihre Abende auf dem Sofa daheim vor dem Fernseher zu verbringen, schließen sich immer mehr Berliner Kiezchören an.

Noch vor zwei Jahren hätte Angelika so etwas "nie gemacht". Undenkbar, sich einfach vor ihren Biologie-Leistungskurs zu stellen, immerhin als Gymnasiallehrerin, Ende 50, und den Schülern unbeschwert die Balzrufe deutscher Gartenvögel vorzutragen. Doch die große schlanke Zehlendorferin hat etwas Neues in ihr Leben gelassen. Angelika singt.

Bis zu 2500 Ensembles gibt es in der Hauptstadt. Der Chorverband Berlin sieht einen Trend zu Gründungen mit 20 bis 30 Teilnehmern. Statt den Fernseher einzuschalten oder ins Netz zu gehen, setzen sich Menschen abends aufs Rad oder in die Bahn, um mit anderen Laien Lieder einzuproben und irgendwann damit hinauszugehen – ob beim Stadtteilfest oder mal eben im Schulunterricht.

Auch Angelika hat es an diesem Abend wieder pünktlich zur Probe des Kiezchors "Stimmwerk" geschafft. Die Bio-Schüler hätten neulich bei der Gesangseinlage erst gelacht. "Aber ich glaube, sie fanden es ganz gut, dass ich das spontan gemacht habe", sagt sie.

Bild Nr. 1:
Chorleiterin Maria Mokri joerg Krauthoefer

Treffpunkt jeden Dienstag ist die Villa Mittelhof. Der Bau an der verschlafenen Königstraße in Zehlendorf war das erste Nachbarschaftsheim der Nachkriegszeit. Heute zum Stadtteilzentrum geworden, geht es dort noch immer um das Miteinander von Anwohnern. In Computerraum, Nähstube, Töpferkeller oder wie an diesem Abend, im großen Saal des Cafés im Erdgeschoss, wo auf einem Podest Spielzeug verstreut liegt und in einer Vitrine am Tresen vom Nachmittag noch ein Stück Gedeckter Apfel übrig geblieben ist, stellen Menschen gemein...

Lesen Sie hier weiter!

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen