Berlin laut Studie weiter Filmstadt Nummer eins

Berlin (dapd). Berlin ist weiterhin die deutsche Kino-Hauptstadt. Während vergleichbare Metropolen bei der Anzahl der Filmtheater und bei den Besucherzahlen Einbußen hinnehmen mussten, konnte Berlin sein ausgesprochen hohes Niveau halten, wie aus einer Studie der Investitionsbank Berlin hervorgeht. Die Analyse wurde am Donnerstag mit Blick auf die bevorstehende Berlinale vorgelegt. Das Filmfestival beginnt am 7. Februar.

In der Bundeshauptstadt existieren dem Papier zufolge zurzeit 93 Kinos mit 261 Leinwänden und mehr als 50.000 Sitzplätzen. Das Fazit lautet: "Im Vergleich gibt es nicht nur die meisten Kinos, sondern auch die meisten Kinobesucher." 2011 wurden demnach 9,13 Millionen Gäste gezählt. Das seien mehr als doppelt so viele wie in den anderen Kino-Hochburgen München (4,45 Millionen pro Jahr) und Hamburg (4,25 Millionen pro Jahr).

Im ersten Halbjahr 2012 seien die Besucherzahlen in Berlin nochmals um fünf Prozent gestiegen, hieß es weiter. Die Ticketumsätze in den Kinos der Stadt hätten zwischen Januar und Juni 2012 um 6,6 Prozent zugelegt. Die Entwicklung sei besonders beachtlich, weil der Berliner nur durchschnittlich 2,6 mal im Jahr ein Kino besuche (Spitzenreiter Nürnberg viermal pro Jahr), die Kinos sich aber einer immensen Konkurrenz im Kulturbereich ausgesetzt sähen. Das Papier verweist in diesem Zusammenhang auf Hunderte Theater- und Tanzensembles sowie auf die drei Opern und 170 Museen.

Bei den niedrigsten Eintrittspreisen liege Berlin mit durchschnittliche 7,53 Euro pro Ticket auf Platz vier nach Dresden (6,71 Euro pro Ticket), Leipzig (7,49 Euro pro Karte) und Stuttgart (7,50 Euro je Karte).

Positiv vermerkt wurden auch die Effekte durch Filmdrehs und die Berlinale selbst. Das seit 1951 - zunächst im Westteil der Stadt - alljährlich ausgerichtete Filmfest sei ein echter Wirtschaftsfaktor. Die Konsumausgaben der Touristen und Fachbesucher während des Fests lägen bei 68,9 Millionen Euro. Hinzu kämen weitere, sogenannte nachgelagerte Effekte und Ausgaben wie Gastronomie und Hotel), die zu Zusatzeinnahmen von letztlich 125 Millionen Euro führten. Während des Festivals entstünden zeitweilig bis zu 380 Arbeitsplätze.

Die Wirtschaftsverwaltung reagierte erfreut auf die Bilanz. "Die Filmwirtschaft hat sich in Berlin zu einer festen Wirtschaftsgröße entwickelt", sagte Senatorin Cornelia Yzer (CDU). Dabei sei es nicht nur ein "großartiger Erfolg", dass die Kinokassen kräftig klingelten wie in keiner anderen Stadt. "125 Millionen Euro als erwartete zusätzliche Wirtschaftsleistung durch die Berlinale sind eine erneute Steigerung, die zeigt, wie groß die wirtschaftlichen Impulse für die verschiedenen Branchen der Stadt durch das Festival sind."

Berlin gilt als eine Wiege des Films. Um 1894/95 zeigten die Brüder Skladanowsky erstmals "bewegte Bilder" in der Stadt - nahezu zeitgleich mit dem Brüderpaar Lumière in Paris. Entwickelt hatten die Skladanowskys ihre Technik im Stadtteil Prenzlauer Berg an der Schönhauser Allee. Dort waren auch die ersten Aufnahmen entstanden.

dapd