Berlin-London: Wenn man mit 68 Jahren erstmals wählen darf

Viele Briten, die jetzt einen deutschen Pass haben, durften bei dieser Bundestagswahl erstmals mit abstimmen

Über Jahre war ich eine Außenstehende bei Wahlen in Deutschland. Ich durfte nicht abstimmen und habe am Anfang nicht allzu oft darüber nachgedacht, ob es fair ist oder nicht. Als Journalistin und Beobachterin von außen fühlte es sich auch gut an, nicht allzu sehr involviert zu sein. Denn man konnte mit einer gewissen Distanz klarer sehen, worum es ging, was die Themen waren, die dem Wahlkampf Dampf gegeben haben. Ohne sich fragen zu müssen, welche Partei am besten zu mir und meiner Weltanschauung passt. Vor allem so lange ich in Großbritannien noch wählen durfte, konnte ich mein demokratisches Recht ausüben und das Gefühl haben, ich bin Teil des demokratischen Prozesses.

Dann habe ich mein britisches Wahlrecht verloren, da ich mehr als 15 Jahre im Ausland gelebt und als Korrespondentin gearbeitet habe. Am meisten hat das beim Brexit-Referendum in Juni 2015 geschmerzt. Wie Hunderttausende andere Briten war ich entrechtet und ausgeschlossen von einer Entscheidung, die noch weitreichender war als eine Regierung mit vier oder fünf Jahren Amtszeit.

Seit Mai 2017 bin ich nun deutsche Staatsbürgerin und alles ist anders. Am Sonntag durfte ich zum ersten Mal mitwählen - so wie Tausende andere Briten, die mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Briten nehmen die Wahl sehr ernst

In den Tagen vor der Wahl führte ich einige Gespräche mit Menschen in der gleichen Situation wie ich. Michael, ein pensionierte Fernsehproduzent, der seit Jahrzehnten in Berlin lebt, sagte mir: "Wie ko...

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