Berlin - New York: "Na?", "Guten Tag!" - Wie begrüßt man sich denn nun?

Melissa Eddy arbeitet in Berlin als Korrespondentin für die New York Times. Sie schreibt einmal im Monat für die Berliner Morgenpost über ihr Leben, ihre Arbeit und die Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen

Berlin.  Guten Tag! So grüßt man einander in Deutschland. Das haben wir zumindest in meinem Deutschkursus vor vielen Jahren gelernt. Nach nun vielen in Deutschland gelebten Jahren aber, hört man immer seltener ein "Guten Tag," dafür aber viel häufiger ein "Hallo". Ist auch nett, sicherlich weniger formell, klingt aber zugleich für amerikanische Ohren sehr vertraut, was immer wieder dazu führt, dass ich anschließend sage: "Wie geht es Dir?"

Diese Frage kann unter Umständen aber gefährlich sein, wie ich wiederum gelernt habe, weil es in deutschen Ohren zu oberflächlich – sprich amerikanisch – klingt. So hat es mir eine Bekannte neulich erzählt, als ich ihr völlig gedankenlos diese Frage gestellt hatte. Allerdings waren zuvor mehrere Monate vergangen, seit wird wir uns das letzte Mal getroffen hatten. Sie ist Mutter von drei Kindern, ihr Mann arbeitet nachts, während sie tagsüber versucht, sich zurecht zu finden.

Grund genug also, fand ich, um nach ihrem Befinden zu fragen. Wie es ihr in der Zeit seit unserem letzten Treffen so ergangen sei. So dachte ich zumindest. Ich hatte die Frage verstanden als eine Art Einladung, mir von sich zu erzählen und sah darin ein Interesse an ihr als Mensch, an ihrer Familie und ihrem Leben. So hat sie es aber ganz und gar nicht verstanden.

Als Antwort bekam ich also nur einen sehr kurz angebundenen Vortrag über die Amerikaner und deren oberflächliches "Wie geht's", was aus ihrer Sicht nicht gleichbedeutend damit sei, dass man sich tatsächlich für sein Gegen...

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