Berlinale-Kamera: Ulrike Ottinger: Mit der Bestie über den Kudamm

Wenige Minuten von Ulrike Ottingers Kreuzberger Atelier entfernt wird seit gut zehn Jahren am Sri-Ganesha-Hindu-Tempel gebaut. Das oberste, golden schimmernde Drittel seines mit weißen Statuen besetzten Turmes strahlt ostwärts Richtung Hermannplatz, nach Westen bis zum Südstern.

Es wirkt ein bisschen, als würde die Ferne und eine in ihr verwurzelte Kultur nun jener Künstlerin entgegenkommen, die sich für Filme wie „Taiga“ und „Chamissos Schatten“ immer wieder in entlegene Winkel der Erde aufgemacht hat. Ottinger, die passionierte Entdeckerin, Regisseurin, Malerin und Fotografin wird am Sonnabend mit der Berlinale-Kamera geehrt und präsentiert zudem ihren neuen Film „Paris Calligrammes“.

Später Film der 77-Jährigen über ihre frühen Pariser Jahre

Mit einem freundlichen Lächeln bittet die mittlerweile 77-jährige gebürtige Konstanzerin in ihr Refugium, eine klassische Altbauwohnung, mit gepflegten Dielen und weißem Stuck. Die Schuhe dürfen anbehalten werden. Nur einen Teppich möge man bitte mit Nässe und Schmutz verschonen. Über den schwarzen, komplett gefüllten Bücherregalen halten Dutzende Holzmasken und Statuen Wacht. Es sind Mitbringsel aus aller Welt, zum Teil noch aus dem Besitz des Vaters, eines Kunst- und Dekorationsmalers, der beruflich oft in Afrika unterwegs war.

Ulrike Ottinger in ihrem Film „Paris Calligrammes“ als junge Studentin in Paris. Ulrike Ottinger

Ganz so weit musste sie für „Paris Calligrammes“ nicht reisen. Mit einem recht spielerischen Bezug auf Kalligramme, also literarische Texte, deren Gestaltung eine eigenständige künstlerische Aussage treffen, hat O...

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