Berliner Champions: Wie ein Blinder zum Bogenschützen wird

Thomas Giese ist einer von nur zwei deutschen blinden Bogenschützen

Berlin.  Zwei Dinge haben Lisa Unruh berühmt gemacht: Olympia-Silber 2016 in Rio – die erste Medaille für eine deutsche Bogenschützin im olympischen Einzelwettkampf; zum anderen der verwaschene Anglerhut, den sie dabei trug, um nicht von der Sonne geblendet zu werden.

Eine solche Kopfbedeckung wird Thomas Giese nie brauchen. Ihn stört die Sonne nicht, Giese ist blind. Er kann die Scheibe in 30 Metern Entfernung zwar nicht sehen, aber trotzdem trifft er sie – nur durch seine Körperhaltung und ein hohes Maß an Konzentration.

Der 52-Jährige ist ein Pionier: Als einer von nur zwei blinden Bogenschützen in Deutschland startet Giese bei den Deutschen Meisterschaften der Sehbehinderten. In dieser Saison gewann er im Freien und in der Halle jeweils die Goldmedaille. Doch der Zehlendorfer verfolgt ein höheres Ziel, eines, das wichtiger ist als jeder Meistertitel: Er will seine Disziplin populärer machen, damit in Zukunft noch mehr Sehbehinderte zum Bogen greifen – auch wenn das bedeuten würde, dass er künftig mehr Konkurrenz hätte. "Mit mehr Leuten macht so ein Wettkampf einfach mehr Spaß", sagt er.

Nicht von Geburt an blind

Thomas Giese war nicht von Geburt an blind. Sein Augenlicht erlosch mit Ende 20. Als Kind war bei ihm Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden. Als Spätfolge dieser Krankheit können Blutgefäße erkranken, und besonders häufig sind hiervon die Augen betroffen. Die Netzhaut wird geschädigt, bis der Patient dann irgendwann gar nichts mehr sehen kann. Mediziner sprechen von diabetische...

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