Berliner Ensemble: Neuanfang ohne den Ballast der Vergangenheit

Drei Frauen, ein ritualisiertes Leben: Szene aus dem Stück „Nichts von mir“ des Norwegers Arne Lygre

Eine Frau steht im Bad. Sie hantiert mit Tabletten und sagt dann diesen Satz: "Das hier ist die Wirklichkeit". Wahrlich kein komplizierter Satz, doch dahinter verbirgt sich eine ganze Welt. Die ist in ihrem Fall komplex. Der Norweger Arne Lygre schreibt rätselhafte, abstrakte Stücke in schnörkelloser Sprache. Das macht ihn für die Bühne sehr interessant, in Deutschland ist er bislang allerdings wenig bekannt. Ein Fall also für Oliver Reese, der als neuer Intendant des Berliner Ensembles einen Fokus auf die Entdeckung neuer, auch internationaler Autoren angekündigt hatte. "Nichts von mir" heißt das Stück von Lygre, mit dem Reese an Tag zwei seines Eröffnungsreigens nun auch seine Nebenbühne, das sogenannte Kleine Haus, eröffnet hat.

Regie führte bei dieser deutschsprachigen Erstaufführung die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, und sie adaptiert die formale Strenge des Textes auf der Bühne als eng choreografierte Versuchsanordnung. Die Frau, die wir am Anfang sehen und die ihre Familie verlassen hat, um mit einem neuen Mann ein neues Leben zu beginnen, was allerdings nicht gut endet, hat sie verdreifacht. Alle tragen identische Kleidung und die gleichen Frisuren.

Reden, ohne zu verstehen

Mit den Männern verfährt sie ebenso. Es sind abstrakte Figuren, die in dem von Raimund Orfeo Voigt gestalteten eleganten Appartement ritualisiert ihr Leben verrichten. Immer wieder dieselben Handlungen, nach wenigen Minuten wissen wir, immer wenn er zum Kühlschrank geht, wird er das untere F...

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