Berliner Ensemble: Nico Holonics - "Es ist eine Anmaßung"

Immer mit dabei: Hündin Lotte bei Schauspieler Nico Holonics an der Auguststraße

Die letzten Krümel Kokain rieseln ihm noch aus den kurzen blonden Haaren, die wischt er mit den Händen fort und blinzelt gegen die Februarsonne. Nico Holonics (34) könnte aus dem Berghain taumeln, die Spuren der letzten Nacht noch an sich klebend. Aber Holonics kommt aus keinem Club, ist auch gar nicht sein Ding, er kommt aus dem Berliner Ensemble. Da probt er gerade die Bühnenadaption von Benjamin von Stuckrad-Barres Autobiographie "Panikherz", die am Sonnabend Premiere feiert. Wer den Bestseller kennt, der weiß: Stuckrad-Barre erzählt darin erbarmungslos, wie Ecstasy, Kokain, Alkohol, Bulimie, Depressionen, Showbusiness und Buchverträge ihn in einen Strudel ziehen, auf dessen Grund kein Licht, bloß die Entzugsklinik wartet. "Die Abgründigkeit ist irre, die erzählt er schonungslos. Und genau da müssen wir uns auf der Bühne hinein begeben – ohne, dass es kitschig wird", sagt Holonics. Klar, das ist nicht einfach.

Stuckrad-Barre ist vom Stück gerührt, nicht verletzt

Oliver Reese, der das Buch auf die Bühne hebt, hat sich entschieden, dort nicht viel zu zeigen. Einen Perserteppich, eine Bar, eine Band und vier Schauspieler – alle entspringen anderen Lebensphasen des Autors – reichen aus. "Es ist eine große Sucht-Oper", sagt Holonics. Er spielt den mittelalten, den essgestörten, den suchtkranken Stuckrad-Barre mit Kokain-Krümeln im Haar. "Ich bin in der Inszenierung am nächsten an ihm dran", sagt er und fügt an: "auch charakterlich, ein bisschen drüber, schnell, scharfzüngig." Vie...

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