Berliner Erzbischof befürchtet "Verschiebung des Wertesystems" bei Sterbehilfe

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch hat vor der Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe vor einer "Verschiebung des Wertesystems" gewarnt. Koch sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben), er erhoffe sich "ein starkes Signal für den Schutz des Lebens". Wenn der Suizid aber "als normale Option neben die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen" gestellt werde, befürchte er eine "Verschiebung des Wertesystems".

Konkret sehe er die Gefahr, "dass Menschen gedrängt werden oder sich gedrängt fühlen, von solchen Optionen auch Gebrauch zu machen", sagte der Erzbischof. Deshalb sei es richtig, dass der Gesetzgeber 2015 diese Formen der Suizidassistenz verboten habe. Als richtig und mindestens genauso wichtig bezeichnete Koch den "gleichzeitigen Ausbau der palliativen und hospizlichen Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen".

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am Dienstag und Mittwoch über das Verbot der sogenannten geschäftsmäßigen Sterbehilfe. Dabei geht es um die Frage, ob und wie einem todkranken Menschen beim Sterben geholfen werden darf. Der Bundestag hatte das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe Ende 2015 nach langen und kontroversen Debatten beschlossen. Die Regelung ist bis heute umstritten.