Beschert das iPhone 13 Apple den nächsten Superzyklus?

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
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Morgen ist es so weit: Die iPhone 13-Serie kommt in den Handel. Für Apple beginnt an der Wall Street damit eine notorisch unruhige Zeit: Der wertvollste Konzern der Welt muss nämlich beweisen, dass sich sein mit Abstand wichtigstes Produkt abermals besser verkauft als im Vorjahr. Reicht das nur marginal erneuerte iPhone 13 dafür?

Apples iPhone 13 Pro (Max): das neue Kamerasystem ist der Star (Foto: © Apple)
Apples iPhone 13 Pro (Max): das neue Kamerasystem ist der Star (Bild: Apple)

Nach dem iPhone ist bekanntlich vor dem iPhone – aber auch vor dem nächsten iPhone-Superzyklus? Diese Frage beschäftigt Analysten an der Wall Street alle Jahre wieder, denn darum geht es letztlich für Apple: ob das wichtigste Produkt des iKonzerns, das immer noch rund 50 Prozent der Gesamtumsätze ausmacht, weiterwachsen kann oder nicht. 

In den vergangenen fünfzehn Jahren ist Apple das Kunststück, von zwei, drei Ausnahmen abgesehen, immer gelungen – und das, obwohl die Anreize für Kunden, sich für ein neues Modell zu entscheiden, von Jahr zu Jahr geringer werden, weil die Upgrades zu den Vorgängermodellen zu ähnlich sind .

iPhone 13: Das Jahr des kleinen Updates

So wie in diesem Jahr. Nachdem Apple 2020 mit der iPhone 12-Serie, die im Design dem iPhone 5 aus dem Jahr 2012 ähnelt, eine Generalüberholung vorgenommen hatte, durften Fans des Kultkonzerns aus Cupertino bei den diesjährigen Modellen nur marginale Veränderungen erwarten.

Das Jahr 2021 steht im Zeichen eines kleineren Upgrades, das unter der Oberfläche stattfindet. Wie im Vorjahr launcht Apple auch das 2021er-iPhone in vier Modellen: dem iPhone 13, iPhone 13 mini, iPhone 13 Pro und iPhone 13 Pro Max. Die neuen iPhones kommen mit leistungsfähigerem Prozessor, langlebigerem Akku, mehr Speicher beim Einstiegsmodell und einem verbesserten Kamerasystem daher.

Analysten bleiben bullish

Reichen diese Kaufargumente für weiteres Umsatzwachstum? Für Dan Ives ist das nicht die dringendste Frage. Der Wedbush-Analyst will ausgemacht haben, dass mehr als 250 Millionen Kunden ein Modell besitzen, das mindestens drei Jahre alt ist – das wäre ein iPhone XS oder älter. Diese Klientel wäre nun bereit für ein Upgrade, glaubt Ives. "Apple befindet sich in der Mitte des stärksten Produktzyklus’ in über einer Dekade", schrieb der Wedbush-Analyst vergangene Woche in einer Kurzstudie, die CNBC vorliegt.

Ähnlich optimistisch äußerte sich zu Wochenbeginn Katy Huberty. Die Staranalystin von Morgan Stanley will einen"vielversprechenden Start" des iPhone 13 ausgemacht haben. So lägen sowohl die Vorbestellungen in China über dem Niveau des iPhone 12-Launches als auch Apples eigene Bestellungen bei den Auftragsfertigern gar um 20 Prozent über dem Vorjahresvergleich. Ming-Chi Kuo, ein weiterer omnipräsenter Apple-Analyst von TF International Securities, sieht den iPhone 13-Start ähnlich optimistisch wie Branchenkollegin Huberty und erkennt ebenfalls eine größere Nachfrage als beim iPhone 13.

Ein Analyst warnt vor 40 Prozent-Crash bei Apple-Aktie

Es gibt allerdings auch andere Stimmen. Pierre Ferragu, ein notorischer Apple-Bär unter den Analysten, rechnet lediglich mit 180 bis 200 Millionen verkauften neues iPhones, was im nächsten Geschäftsjahr, das bereits im Oktober beginnt, einem signifikanten Absatzrückgang entsprechen würde. 

Ferragu von Analysehaus New Street Research sagt daher einen massiven Einbruch der Apple-Aktie voraus, wenn die Wall Street beginnen würde, das Negativwachstum einzupreisen. Ferragus Kursziel liegt seit Mai beim 90 Dollar – was einem Kurssturz von fast 40 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entsprechen würde. 

Historische Vorbilder eines Apple-Crashs nach iPhone-Enttäuschung 

So dramatisch sich das Szenario anhört, in dem eine Billion Dollar Börsenwert ausradiert werden würde, so wenig abwegig erscheint es doch beim Blick in die jüngere Vergangenheit. Zweimal in der letzten Dekade reagierte die Apple-Aktie nämlich höchst sensibel auch eine schlechtere iPhone-Verkaufsentwicklung. 

Von Ende 2018 bis Anfang 2019 verlor die Apple-Aktie mehr als ein Drittel ihres Wertes, nachdem sich die Nachfolgemodelle zum iPhone X und das günstigere iPhone XR schlechter verkauften als erwartet. Vor genau neun Jahren begann Apples Börsenabsturz nach dem Debüt des iPhone 5: Die Aktie verlor in Tim Cooks zweiten Jahr als Apple-CEO in der Spitze fast die Hälfte ihres Wertes. Apple-Aktionäre können also nicht sagen, es hätte in der Vergangenheit keine Warnungen gegeben…

Im Video: Gleich vier Modelle - Das kostet das neue iPhone 13

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