Italien nimmt Abschied von den Opfern des Brückeneinsturzes in Genua

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Trauer in Genua

Genua hat Abschied von den Opfern des Brückeneinsturzes genommen und bereitet sich nun auf die Bewältigung des gewaltigen Unglücks vor. Tausende Menschen drängten sich am Samstag bei einer staatlichen Trauerfeier mit den Spitzen von Staat und Regierung in der Messehalle von Genua. Allerdings blieben etliche Angehörigen der Trauerfeier fern. Der Brückenbetreiber Autostrade per l'Italia sagte 500 Millionen Euro für Hilfszahlungen und den Wiederaufbau der Autobahnbrücke zu.

"Ich habe einen Freund verloren, aber ich bin wegen aller Opfer gekommen", sagte der Genueser Nunzio Angone der Nachrichtenagentur AFP. Zu der zentralen Trauerfeier kamen neben Staatschef Sergio Mattarella, Regierungschef Giuseppe Conte und anderen Regierungsvertretern auch mehrere tausend Einwohner von Genua. Allerdings fehlten die Angehörigen von mehreren Todesopfern. Einige zogen private Trauerfeiern in ihren Heimatorten vor, andere boykottierten die Veranstaltung aus Protest gegen die Regierung.

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen der norditalienischen Stadt war am Dienstag während eines Unwetters auf einer Länge von mehr als 200 Metern eingestürzt. Bis Samstagabend wurden 40 Todesopfer offiziell bestätigt, nachdem am Nachmittag die Leiche eines Genueser Arbeiters gefunden worden und ein 36-jähriger Rumäne im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen war.

Örtlichen Medien zufolge wurden in einem Autowrack zudem die Leichen eines neunjährigen Mädchens aus Turin und von zwei weiteren Familienmitgliedern entdeckt. Landesweit galt am Samstag Staatstrauer. Vor öffentlichen Gebäuden wehte die Flagge auf Halbmast.

"Der Einsturz der Morandi-Brücke hat Genua mitten ins Herz getroffen. Der Schmerz sitzt tief", sagte Genuas Erzbischof Angelo Bagnasco in seiner Predigt. In der Messehalle standen 19 Särge aufgebahrt, geschmückt mit Blumen und Fotos der Opfer. Einer der Särge war klein und weiß, darin lag die Leiche des jüngsten Opfers, des achtjährigen Samuele.

Präsident Mattarella sprach nach der Trauerfeier gegenüber Fernsehreportern von einer "inakzeptablen Tragödie". Mit geröteten Augen versprach er, sich dafür einzusetzen, dass "schnelle und rigorose Ermittlungen zu Verurteilungen führen".

"Mein Sohn wurde ermordet", schimpfte am Freitagabend der Vater eines von vier bei dem Unglück getöteten Jugendlichen aus Torre del Greco bei Neapel. "Man sollte nicht durch Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit, Oberflächlichkeit und Bürokratie sterben müssen", sagte Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe bei der Trauerfeier für die vier.

Italiens populistische Regierung macht den Brückenbetreiber Autostrade per l'Italia für den Einsturz verantwortlich. Dessen Chef sagte bei einer Pressekonferenz am Samstag 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Autobahnbrücke sowie für Hilfszahlungen zu. Die Gelder stünden ab Montag bereit, sagte Unternehmenschef Giovanni Castellucci.

Mehrere Millionen Euro sind demnach für die Hinterbliebenen vorgesehen. Außerdem sollten dutzende Millionen Euro für die Unterbringung der Menschen bereitgestellt werden, die wegen des Brückeneinsturzes ihre Häuser in der Umgebung räumen mussten.

Ein Großteil der halben Milliarde Euro soll offenbar in den zügigen Bau einer neuen Brücke fließen, welche die Morandi-Brücke auf der A10 ersetzen soll. Sein Unternehmen werde nach Erteilung einer entsprechenden Baugenehmigung innerhalb von acht Monaten die alte Brücke abreißen und eine neue Brücke aus Stahl errichten, kündigte Castelluci an.

Zu den möglichen Ursachen des Brückeneinsturzes machte der Betreiber keine Angaben. Castelluci sagte lediglich, es habe sich um "eine sehr spezielle Brücke" gehandelt, die aber "von allen, die sie untersucht haben, als sicher betrachtet" worden sei. Die Einsturzursache müsse nun die Justiz ermitteln.

Forderungen aus der Regierung nach einem Rücktritt der Unternehmensführung wies der Vorstandsvorsitzende von Autostrade per l'Italia, Fabio Cerchiai, bei der Pressekonferenz zurück. Castelluci werde das Unternehmen weiter führen, sagte er.