Beunruhigende Studie: Die Hälfte der US-Amerikaner glaubt an einen baldigen Bürgerkrieg

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Eine Umfrage unter US-Bürgern bringt unheimliche Ergebnisse hervor: Sie deutet an, dass die zunehmende Waffengewalt in den USA, befeuert von Verschwörungstheorien, zunehmend die politische Szene prägen wird.

Ist dies - der Sturm auf das Kapitol - nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern die Zukunft der USA? (Symbolbild: Samuel Corum/Getty Images)
Ist dies - der Sturm auf das Kapitol - nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern die Zukunft der USA? (Symbolbild: Samuel Corum/Getty Images)

Waffengewalt ist ein stetig präsentes Thema in den USA, und spätestens seit dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 wird auch politisch motivierte Gewalt im Land hitzig diskutiert. Eine aktuelle Umfrage bringt nun beunruhigende Ansichten der US-Bevölkerung zu Tage: Nicht nur finden viele Bürger, dass derartige, politische Gewalt zumindest manchmal gerechtfertigt ist, die Hälfte sieht einen Bürgerkrieg kommen - und würde die Demokratie einem "starken Anführer" opfern.

Das sind einige der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der University of California, Davis (UC Davis), die als Vorabdruck auf der Plattform medRxiv veröffentlicht wurde. 8620 Menschen in den USA wurden hierfür auf Englisch und Spanisch über ihre Ansichten zu Demokratie, ethnische Differenzen und ihre Ansichten zu politischer Gewalt befragt, wobei bedenkliche Level an "Misstrauen", "Entfremdung" und Neigung zur Gewalt ans Licht kamen.

Töten für politisch Zwecke? Für viele Menschen gerechtfertigt

Obwohl fast alle Befragten die Wichtigkeit betonten, dass die USA eine Demokratie bleiben, gaben 40 Prozent an, einen "starken Anführer" als wichtiger anzusehen. Die Hälfte erwartet in den kommenden Jahren einen Bürgerkrieg - ein genauer Zeitrahmen wurde dabei nicht angegeben. Viele zeigen sich zudem bereit, daran teilzunehmen. In einer Situation, in der Gewalt ihrer Ansicht nach gerechtfertigt wäre, um ein wichtiges politisches Ziel durchzusetzen, würde sich einer von fünf mit einer Schusswaffe ausrüsten. Sieben Prozent der Bevölkerung - was in den USA 18 Millionen Menschen entspricht - wäre in einer solchen Situation gewillt, einen anderen Menschen zu töten.

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"Dass quasi die Hälfte des Landes einen Bürgerkrieg erwartet, ist erschreckend", wird Studienleiter Garen Wintemute, Arzt und Experte für Waffengewalt an der UC Davis, von Science.org zitiert. Die steigenden Todesfälle durch Waffengewalt - zwischen 2010 und 2020 sind diese um 43 Prozent gestiegen - und zunehmenden Waffenverkäufe während der Corona-Pandemie hätten ihn zu der Studie veranlasst. "Als Notfallmediziner ist man manchmal wie der Seemann auf der Titanic, der ruft: 'Schaut euch diesen Eisberg an!'"

Die Waffengewalt und die Bereitschaft, sich zu bewaffnen, hat in den USA zugenommen (Bild: Mark Makela/Getty Images)
Die Waffengewalt und die Bereitschaft, sich zu bewaffnen, hat in den USA zugenommen (Bild: Mark Makela/Getty Images)

Wie ernst ist die Lage? Das sagen die Ergebnisse der Umfrage aus

Deuten die Ergebnisse also wirklich auf bürgerliche Unruhen in den USA hin? Experten interpretieren dies unterschiedlich. "Dies ist keine Studie, die es darauf anlegt, zu schockieren, aber man sollte schockiert sein", findet Rachel Kleinfeld, Expertin für politische Gewalt bei der Organisation Carnegie Endowment for International Peace. Die Studie sei interessant, weil nach konkreten Szenarien gefragt worden sei, wie sie Science.org sagte. Zudem würden bei den Befragten ältere Menschen überwiegen, die in der Regel weniger gewaltbereit seien. "Dass trotzdem so hohe Zahlen dabei herausgekommen sind, ist ziemlich beunruhigend."

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Politikwissenschaftlerin Barbara Walter von der University of California, San Diego, glaubt hingegen, dass überdurchschnittlich viele gewaltbereite Menschen in der Studie repräsentiert seien, und dass derartige Umfragen oft übertreiben würden, was Bürger wirklich denken. "Die Zahlen sind immer schockierend, aber im Kern wahrscheinlich nicht wahr."

Was tun gegen die Radikalisierung?

Wintemute und seine Kollegen sind dennoch besorgt und identifizieren vor allem Verschwörungstheorien als radikalisierenden Faktor im Land. Sie stellten fest, dass zwei von fünf Erwachsenen an die "Theorie des Großen Austauschs" glauben - die rechtsradikale Idee also, dass einheimische, weiße Wähler durch Einwanderer oder Dunkelhäutige verdrängt werden. Einer von fünf glaubte an die QAnon-Verschwörungstheorie, dass Elemente der US-Regierung von satanistischen Pädophilen gesteuert würden.

Auch der nicht an der Studie beteiligte Psychologe Kurt Braddock von der American University sagte Science.org, dass der erste Schritt zur Vorbeugung politischer Gewalt die Aufklärung über Falschinformationen im Internet sei. Auch die Regulierung von sozialen Medien könne sinnvoll sein, wie Walter hinzufügt. Kleinfeld meinte zudem, dass starke Vorbilder - sei es aus der Politik, der Religion oder der Unterhaltungsbranche - ebenfalls viel bewirken können. In einem scheinen sich alle Experten einig: Es ist Zeit, zu handeln.

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