Bewährungsstrafe für Britin in Zypern wegen falscher Vergewaltigungsvorwürfe

Demonstrantinnen vor Gerichtsgebäude in Paralimni

Eine junge Britin ist in Zypern wegen falscher Vergewaltigungsvorwürfe gegen zwölf Israelis zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die 19-Jährige, der eine einjährige Haftstrafe gedroht hatte, lächelte am Ende des Prozesses in Paralimni im Osten Zyperns und umarmte ihre Familie. Während der Strafmaßverkündung waren von draußen die Rufe von Demonstranten zu hören, die dem Gericht vorwarfen, die Vergewaltigungsvorwürfe der Britin nicht ernst genommen zu haben.

"Zyperns Justiz, Schande über Dich", riefen die Demonstranten. Zu ihnen zählten rund 50 Israelis, zumeist Frauen, die nach Zypern gereist waren, um die Britin moralisch zu unterstützen. Sie hielten Schilder hoch, auf denen zu lesen war "Ich glabe ihr - boykottiert Zypern" oder "Ungerechtigkeit egal an welchem Ort ist eine Bedrohung für Gerechtigkeit überall".

Die britische Urlauberin hatte Mitte Juli zwölf israelische Urlauber im Alter zwischen 15 und 18 Jahren beschuldigt, sie in ihrem Hotel im Ferienort Agia Napa vergewaltigt zu haben. Doch schon bald kamen Zweifel an ihren Angaben auf, und die Israelis wurden wieder freigelassen. Sie durften heimkehren und mussten nicht einmal als Zeugen vor Gericht aussagen.

Stattdessen musste sich die junge Frau wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" verantworten. Sie plädierte in dem Prozess auf nicht schuldig, wurde aber am 30. Dezember schuldig gesprochen.

Ihre Anwälte gaben vor Gericht an, ihre Mandantin habe die Vergewaltigungsvorwürfe unter Druck wieder zurückgenommen. Gleichzeitig kritisierten sie die Art und Weise, wie die Ermittlungen geführt worden seien. Verteidiger Lewis Power kündigte am Dienstag an, in den kommenden Tagen Berufung beim Obersten Gerichtshof von Zypern einzulegen. Eine Entscheidung werde sich aber voraussichtlich hinziehen, weil "die Mühlen der Justiz in Zypern sehr langsam mahlen".

Die Britin wollte nach Angaben ihrer Anwälte in der Zwischenzeit das Mittelmeerland verlassen. Nach Angaben ihrer Mutter und ihrer Anwälte leidet sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Der Richter in Paralimni bescheinigte den ermittelnden Polizisten, sich korrekt verhalten und keinerlei Druck ausgeübt zu haben. In Großbritannien hatte der Fall Empörung und Aufrufe zum Boykott des Urlaubslands Zypern ausgelöst. Außenminister Dominic Raab erklärte, er habe gegenüber den zyprischen Behörden "entschiedene" Bedenken wegen des Umgangs mit der jungen Britin geäußert.