Bewaffneter will Synagoge in Frankreich anzuzünden und wird von Polizei getötet

Die Polizei im nordfranzösischen Rouen hat am Freitagmorgen nach Behördenangaben einen Brandanschlag auf eine Synagoge verhindert und den bewaffneten Tatverdächtigen erschossen. (LOU BENOIST)
Die Polizei im nordfranzösischen Rouen hat am Freitagmorgen nach Behördenangaben einen Brandanschlag auf eine Synagoge verhindert und den bewaffneten Tatverdächtigen erschossen. (LOU BENOIST)

In Frankreich hat ein erneuter mutmaßlich antisemitischer Anschlag für Erschütterung gesorgt: Die Polizei im nordfranzösischen Rouen verhinderte am Freitagmorgen nach Behördenangaben einen Brandanschlag auf eine Synagoge und erschoss den bewaffneten Tatverdächtigen. Der Mann habe offensichtlich versucht, die Synagoge in Brand zu setzen und sei von den Einsatzkräften getötet worden, schrieb Innenminister Gérald Darmanin im Onlinedienst X. Rouens Bürgermeister Nicolas Mayer-Rossignol sprach vor Ort von "Entsetzen" und "absolutem Schock".

Die Beamten seien am Morgen wegen einer "Rauchentwicklung in der Nähe der Synagoge" in Rouens historischem Zentrum alarmiert worden, hieß es aus Polizeikreisen. "Der Mann war mit einem Messer und einer Eisenstange bewaffnet", sagte eine mit dem Fall vertraute Quelle der Nachrichtenagentur AFP. Der Mann habe sich den Polizisten genähert, die das Feuer eröffnet und ihn getötet hätten. Seine Identität konnte demnach zunächst nicht festgestellt werden.

Innenminister Darmanin lobte die Polizisten für "ihre Reaktionsfähigkeit und ihren Mut". Bürgermeister Mayer-Rossignol schrieb im Onlinedienst X, dass außer dem Angreifer niemand zu Schaden gekommen sei. Dennoch sei die gesamte Stadt "betroffen" und stehe "unter Schock".

Rabbiner Schmuel Lubecki antwortete auf die Frage nach möglichen Schäden, er hoffe, dass die Thorarollen nicht betroffen seien. "Sie sind das Wichtigste, was es in der Synagoge gibt." Die Gemeinde, der laut Lubecki bis zu 200 Familien angehören, sei "erschüttert".

Die Staatsanwaltschaft in Rouen leitete zwei getrennte Untersuchungen zu dem Vorfall ein. Es werde wegen Brandstiftung und Gewalt gegen Amtspersonen ermittelt, sagte Staatsanwalt Frédéric Teillet AFP. Zudem sollen nach seinen Angaben die Umstände des Todes des Verdächtigen ermittelt werden - ein in solchen Fällen in Frankreich übliches Verfahren.

Die französische Staatsanwaltschaft für Terrorismusbekämpfung erklärte auf AFP-Anfrage, sie prüfe derzeit, ob sie den Fall übernimmt.

In Frankreich lebt die größte jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels und der USA. Zugleich ist das Land Heimat von Europas größter muslimischer Gemeinde.

Der Vorsitzende des jüdischen Dachverbands in Frankreich (Crif), Yonathan Arfi, erklärte auf X: "Der Versuch, eine Synagoge anzuzünden, bedeutet, dass man alle Juden einschüchtern will." Es solle "wieder einmal ein Klima des Terrors über die Juden in unserem Land verbreitet werden", schrieb Arfi. "Antisemitismus bekämpfen bedeutet die Republik zu verteidigen."

Antisemitische Straftaten haben in Frankreich seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen zugenommen. Zudem gab es in den vergangenen Monaten zahlreiche pro-palästinensische Proteste in Frankreich.

Anfang der Woche hatten Unbekannte in Paris das nationale Holocaust-Mahnmal geschändet, indem sie rote Graffiti in Form von Händen an die Schoah-Gedenkstätte sprühten. Innenminister Darmanin hatte im April die Präfekten der Departements angehalten, die Sicherheitsvorkehrungen vor jüdischen Gebetsstätten sowie vor konfessionellen Schulen zu verstärken.

Frankreich wurde ab 2015 von einer Flut islamistischer Anschläge erschüttert, die auch Juden zum Ziel hatten. In den vergangenen Monaten kam es zu vereinzelten Anschlägen. Frankreichs Sicherheitswarnstufe bleibt auf höchstem Niveau.

ma/bfi