Bewertungsdurchschnitt im Internet muss nicht alle Bewertungen einbeziehen

Bewertungsportale im Internet müssen in die von ihnen angegebene Durchschnittsnote nicht alle abgegebenen Bewertungen einbeziehen. Der BGH in Karlsruhe gab damit dem Portal "Yelp" im Streit mit einer Fitnessstudio-Betreiberin recht

Bewertungsportale im Internet müssen in die von ihnen angegebene Durchschnittsnote nicht alle abgegebenen Bewertungen einbeziehen. Sie können als ungeeignet erachtete Bewertungen außen vor lassen, etwa wegen ihres Alters oder weil sie möglicherweise gefälscht sind, wie am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied. Er gab damit dem Portal Yelp im Streit mit der Fitnessstudio-Betreiberin und früheren Bodybuilding-Weltmeisterin Renate Holland recht. (Az: VI ZR 496/18)

Nach Ansicht des Internet-Branchenverbandes Bitkom hat der BGH damit "gleichermaßen den Verbraucherschutz wie die Rechtssicherheit von Plattformbetreibern gestärkt". Für unabhängige und verlässliche Noten müssten Plattformen "gefälschte, gekaufte und nicht vertrauenswürdige Bewertungen herausfiltern". Dies sei nach dem Karlsruher Urteil zulässig, auch unter Verwendung eines Software-Algorithmus'.

"Knackpunkt" für die Verbraucher seien dann allerdings die Kriterien, nach denen eine solche Einteilung erfolgt, sagte Florian Stößel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Es sei daher notwendig, dass die Plattformbetreiber diese Kriterien offenlegen.

Der deutsche Ableger des US-Portals Yelp sammelt Bewertungen für Restaurants, Läden und verschiedene andere Dienstleister und gibt entsprechende Empfehlungen ab. Für die Berechnung einer Gesamtnote berücksichtigt Yelp nur "empfohlene Beiträge" und nennt deren Anzahl. "Nicht empfohlene Beiträge" lässt die Software unberücksichtigt, sie können aber gelesen werden. Ob bewertete Dienstleister Werbekunden auf Yelp sind, spielt nach eigenen Angaben des Portals für die Einteilung keine Rolle.

Gegen dieses Vorgehen klagte die frühere Bodybuilding-Weltmeisterin Holland, die inzwischen mehrere Fitnessstudios betreibt. Im Leitfall geht es um ein Studio, für das Anfang 2014 nur eine Bewertung mit drei von fünf Sternen berücksichtigt wurde. 24 überwiegend positive aber ältere Bewertungen blieben als "nicht empfohlen" unberücksichtigt.

Der BGH hat dieses Vorgehen nun als rechtmäßig bestätigt. Yelp mache auf seiner Seite keine falschen Angaben. Insbesondere behaupte das Bewertungsportal nicht, dass der Durchschnitt aus allen Bewertungen berechnet werde. Vielmehr würden die Nutzer informiert, wie viele "empfohlene Beiträge" es gibt.. "Unvoreingenommene und verständige Nutzer" könnten dem entnehmen, dass der Durchschnitt auch nur aus diesen "empfohlene Beiträgen" berechnet wurde.

Auch ein unzulässiger Eingriff in die persönlichen und gewerblichen Interessen Hollands liege nicht vor. Deren Belange könnten die der Yelp-Betreiber nicht überwiegen. Deren Einteilung der Nutzerbewertungen als "empfohlen" oder "nicht empfohlen" sei "durch die Berufs- sowie Meinungsfreiheit geschützt", betonten die Karlsruher Richter. "Ein Gewerbetreibender muss Kritik an seinen Leistungen und die öffentliche Erörterung geäußerter Kritik grundsätzlich hinnehmen".

Zum Arzt-Bewertungsportal Jameda hatte der BGH 2018 allerdings auch entschieden, dass Ärzte ihre Löschung verlangen können, wenn das Portal zahlenden Wettbewerbern Vorteile gewährt und so die Rolle eines "neutralen Informationsmittlers" verlässt.

Im Sommer tritt eine neue EU-Verordnung zu den Bewertungsplattformen in Kraft. "Durch sie wird Fairness und Transparenz auf Plattformen nochmals weiterentwickelt", erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.