Bewertungsportal Jameda muss Profile klagender Zahnärzte löschen

Im jahrelangen Streit um die vollständige Auflistung aller Ärzte auf dem Bewertungsportal Jameda hat das Oberlandesgericht Köln zwei Zahnärzten einen Anspruch auf Löschung ihrer Profile zugesprochen. Jedenfalls bis 2018 habe Jameda zahlenden Kunden "auf unzulässige Weise verdeckte Vorteile" gewährt, urteilte das Gericht am Donnerstag. Jameda hat das Portal nach eigenen Angaben inzwischen entsprechend nachgebessert. (Az.: 15 U 89/19 und 15 U 126/19)

Mit Verweis auf ihre informationelle Selbstbestimmung haben bereits mehrfach Ärzte versucht, ihr Profil auf Jameda löschen zu lassen. Der Portalbetreiber meint dagegen, der Wert der Plattform für die Nutzer ergebe sich erst aus der Listung aller Ärzte. 2014 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe dies bestätigt und entschieden, dass die Interessen des Portalbetreibers und der Nutzer überwiegen.

2018 hatte der BGH dies allerdings dahin eingeschränkt, dass Jameda dann die Rolle eines "neutralen Informationsmittlers" einnehmen müsse. Der Portalbetreiber reagierte und löschte insbesondere Anzeigen konkurrierender Ärzte auf den Profilen nichtzahlender Basiskunden.

Wie nun das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschied, hielten aber auch neuere Seiten aus 2018 den Anforderungen der BGH-Rechtsprechung nicht stand. So würden in den Trefferlisten nur zahlende Premiumkunden mit Foto gezeigt, Basiskunden dagegen mit einem Schattenriss. Dadurch entstehe ein erhebliches "optisches Gefälle". Zudem gebe es bei den Basiskunden Links zu "Fachartikeln" zahlender Kollegen.

Nach Angaben von Jameda wurden die Fachartikel-Hinweise inzwischen beseitigt und auch weitere Änderungen vorgenommen. Bei den Schattenrissen gibt es inzwischen eine Anmerkung, dass nur Jameda-Kunden ein Foto hochladen können. Über diese Änderungen hatte das OLG noch nicht zu entscheiden.

Keine Bedenken hatten die Kölner Richter, dass Premiumkunden mehr Platz bekommen, um ihr Leistungsspektrum zu beschreiben. Das OLG ließ in beiden Fällen die Revision zum BGH zu. Jameda wolle dies prüfen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.