Bezos, Musk, Gelsinger - Wie eingefleischte US-Kapitalisten den Standort Deutschland retten

Elon Musk von Tesla (l.), Jeff Bezos von Amazon (Mitte) und Pat Gelsinger von Intel (r.)<span class="copyright">James Duncan Davidson; Getty lmages; Markus Schreiber/AP/dpa</span>
Elon Musk von Tesla (l.), Jeff Bezos von Amazon (Mitte) und Pat Gelsinger von Intel (r.)James Duncan Davidson; Getty lmages; Markus Schreiber/AP/dpa

Amazon, Tesla, Intel – drei US-Megakonzerne haben sich vorgenommen, Deutschland aus seiner Lethargie zu befreien. Sie investieren hierzulande mehr als 50 Milliarden Euro. Doch anstelle von Beifall schlägt ihnen Misstrauen entgegen.

Während sich die deutschen Unternehmen Gedanken um die vier Tage Woche machen, zusehen müssen, wie statt einer KI-Industrie lieber auf europäischer Ebene eine KI-Regulierungs-Behörde installiert wird, und selbst viel Energie und Zeit darauf verwenden, ihre Lieferkette bis in die letzte Verästelung zu verfolgen, sind es die Top-Unternehmen aus den USA, die hierzulande im ganz großen Stil investieren. Und zwar ausgerechnet jene, die wegen ihrer urkapitalistischen Strukturen hierzulande oft auf Kritik stoßen. Die Rede ist von Amazon##chartIcon , Tesla##chartIcon und Intel##chartIcon .

Milliardeninvestitionen der drei Megakonzerne

Alle drei haben – und das ist eine gute Nachricht – angekündigt, in Deutschland massiv zu investieren. Der US-Handelsriese und Tech-Konzern Amazon, gegründet und großgezogen von Jeff Bezos, hat jüngst erklärt, weitere zehn Milliarden Euro in sein Geschäft in Deutschland zu stecken. Der Großteil davon soll für Cloud-Internetdienstleistungen ausgegeben werden, also der Datenspeicherung auf ausgelagerten Großrechnern über das Netz. Der kleinere Teil soll in den Ausbau von Logistik, Robotik sowie zwei neue Unternehmenszentralen fließen. Die deutsche Amazon-Belegschaft soll bis Jahresende auf 40.000 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen, 2023 waren es rund 36.000.

Teslas hat sein erstes europäisches Werk in Grünheide bei Berlin aufgebaut und dabei knapp sechs Milliarden Euro verbuddelt. Die Fabrik kann pro Jahr bis zu 500 000 Fahrzeuge produzieren. Tesla-Chef Elon Musk will auf dem Gelände auch noch eine Batteriefabrik errichten. In Branchenkreisen ist von Investitionen die Rede, die noch einmal im einstelligen Milliardenbereich liegen werden. Bislang bauen etwa 12.000 Menschen in dem Werk in Grünheide Autos, die schon jetzt die Elektromobilität weiter vorangebracht haben, als die Bemühungen der Konkurrenz es jemals geschafft hatten.

Halbleiter-Fabrikant will in Magdeburg zwei Werke errichten

Intel hat hoch gepokert am Ende gewonnen und muss nun den eigenen Einsatz abliefern: Der Halbleiter-Fabrikant will in Magdeburg zwei Werke errichten und investiert nach eigenen Angaben selbst rund 30 Milliarden Euro, zehn Milliarden kommen vom Bund als Subvention obendrauf. Intel-Chef Pat Gelsinger will das Unternehmen so zur weltweiten Nummer zwei bei der Auftragsfertigung von Chips ausbauen; knapp hinter dem derzeitigen Marktführer TSMC##chartIcon aus Taiwan.

Rund 50 Milliarden sind es also, die allein die drei US-Giganten hierzulande ausgeben. Der eine, Amazon, schafft Speicherkapazitäten für die Datenmengen von morgen, der andere baut an der Mobilität der Zukunft und der dritte stellt die dafür notwenige Hardware her. Wenn es Unternehmer gibt, die getrieben von der Überzeugung das Richtige zu tun, ins Risiko gehen, dann heißen sie Bezos. Amazon und auch Pat Gelsinger, der immerhin als angestellter Manager für die Magdeburg-Entscheidung verantwortlich ist. Alle drei Unternehmen zusammen übertreffen mit Blick auf die  Marktkapitalisierung an der Börse zusammengenommen jene 40, die sich im Deutschen Aktienindex Dax##chartIcon tummeln, um Längen. Sie sind diejenigen, die in Deutschland etwas zustande bringen, wo andere jammern, sich in der Bürokratie verirren oder mit Fluchtgedanken tragen.

Kritik statt Lobgesängen

Und doch werden sie nicht gefeiert, sondern misstrauisch beobachtet. Beispiel Amazon: Die Nachricht über den jüngsten Investitionsbeschluss füllt Randspalten, die Informationen über problematische Arbeitsbedingungen erzeugt regelmäßig Aufmacher-Geschichten. Mal geht es um schlechte Konditionen für Fahrer, mal um einen Bonus, der für möglichst wenige Krankentage bezahlt wird. Immer wieder wird Amazon vorgeworfen, konkurrierende Anbieter mit aggressiven, teilweise in rechtlichen Grauzonen liegenden Methoden zu bekämpfen. Gleichzeitig nutze Amazon seine Marktmacht, um Verkäufern gleiche Preise bei höheren Gebühren zu diktieren. Amazons Steuervermeidungspraktiken sind beinahe schon legendär. Wer das liest, muss denken, dass für das Unternehmen die gleichen Maßstäbe gelten, wie für die Dorfpfarrei um die Ecke.

Tesla wird angefeindet, weil das Werk jede Menge Wasser verbraucht. Theatralisch lässt sich ein Chef des örtlichen Wasserverbandes zitieren: „Die Trinkwasserversorgung wird geopfert auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik.“ Die Bewegung „Tesla Stoppen“, veranstaltet Protestcamps und eine Do-it-yourself-Terrortruppe hat im vergangenen Jahr per Brandstiftung die Stromzufuhr zum Werk gekappt. Gemeinsam wollen alle Protestler „Tesla den Hahn abdrehen“. „Grüner Kapitalismus ist eine dreckige Lüge“, skandieren sie auf Plakaten.

Mit der Tarifbindung wird es nichts werden

Und über Intel wusste Mathias von Grabow, Bildungswissenschaftler aus Magdeburg und Betriebsratsvorsitzender in einem Unternehmen schon vor einem Jahr, dass es wahrscheinlich mit der Tarifbindung nichts wird. In der „Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewekschaftsarbeit“ veröffentlichte er einen langen Beitrag über die „Herausforderungen“, vor die US-Unternehmen wie Intel aber eben auch Tesla und Amazon die deutschen Gewerkschaften stellen.

Er kritisiert die jüngste Masche der US-Konzerne, die nicht mehr Betriebsratsgründungen plump verhindern wollen, sondern vielmehr dazu übergehen, sie gezielt voranzutreiben und dabei darauf zu achten, das unternehmensfreundliche Kandidaten aufgestellt werden. Was andere als Wahlfreiheit für die Arbeitnehmer interpretieren könnten, nennt Grabow empört „Aushölung der Betriebsratsarbeit“. Der Autor gibt Tipps, wie sich Intel und Co. kleinkriegen lassen: „Für die Gewerk­schaften bietet sich die Möglichkeit, die Angst der Kapitalseite vor einem Fachkräfte­mangel gesamtgesellschaftlich und innerbetrieblich zu nutzen. So besteht letztlich die Chance, die einzelnen Betriebe in die Tarifbindung zu treiben.“

Bestseller-Autor und bekennender Kapitalismus-Fan Rainer Zitelmann hat angesichts der Proteste gegen Tesla und Co seine Meinung dazu so zusammengefasst: „Kapitalisten bauen auf, schaffen Arbeitsplätze, schaffen Innovationen für den Klimaschutz“, schreibt er in einem X-Beitrag und fügt hinzu: „Antikapitalisten zerstören und verhindern Klimaschutz.“